Urlaub auf Flores

Letzten Oktober gab es wieder eine Woche Schulferien. Eine gute Gelegenheit ein kleines bisschen mehr von Indonesien kennenzulernen. Wenn man Indonesien richtig kennenlernen will, hat man viel zu tun. Es braucht wahrscheinlich Jahre (außer als Vollzeit-Reisender) um zumindest auf jeder der acht Hauptinseln(gruppen) einmal gewesen zu sein. Und selbst dann hat man wahrscheinlich nur an der Oberfläche gekratzt. Dadurch, dass Indonesien aus so vielen Inseln besteht und viele auch sehr bergig sind, gibt es eine unglaubliche Fülle von unterschiedlichen Kulturen und Sprachen in Indonesien. Flores – wohin wir dieses Mal geflogen sind – ist eine relativ kleine, lang gezogene Insel, die sich maximal über 400 km ausdehnt. Und dennoch gibt es bereits fünf verschiedene ethnische Gruppen mit eigenen Sprachen: die Manggarai, Ngada, Ende, Sikkanesen und Lamaholot.

Flores liegt ein paar Inseln weiter östlich als Bali. Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch, vermutlich war es mal portugiesische Kolonie so wie Timor, was sich ganz in der Nähe befindet. Flores ist viel weniger entwickelt als Bali, was sehr interessant war. Generell kann man wahrscheinlich sagen, dass es in Indonesien ein West-Ost Gefälle gibt, wobei der Westen am Bevölkerungsreichsten und am Weitesten entwickelt ist. Aber Flores besitzt zwei oder drei Touristenattraktionen, die auch für uns der Grund waren Flores zu besuchen: Die vorgelagerten Inseln Komodo und Rinca mit den einzigartigen Komododrachen, den Vulkan Kelimutu mit seinen farbigen Vulkanseen und das selbst für indonesische Standards (was Tauchen angeht ist Indonesien top) sehr gute Tauchen.

Zwischen Bali und Lombok verläuft die sogenannte Wallace-Linie. Westlich dieser Linie findet man fast nur asiatische Flora und Fauna und östlich davon hauptsächlich australische. Für den Laien ist diese Grenze nicht so leicht zu erkennen. Alleine dadurch dass Flores sehr trocken ist sieht die Vegetation schon ganz anders aus. Was aber sehr auffällt ist, dass die Menschen viel weniger asiatisch aussehen, sondern mehr wie Aborigines mit dunklerer Haut und krausen Haaren.

Verglichen mit dem satten Grün der Reisfelder auf Bali ist Flores eine staubige, heiße Steppe. Auf Flores sieht man überall Regenrinnen und große Wassertanks um möglichst viel von dem wenigen Wasser aufzufangen und zu sammeln. Auf Bali verschwendet niemand darauf auch nur einen Gedanken (dabei sinkt der Grundwasserspiegel durch die vielen neuen Villen und Hotels stetig).

Gleich bei unserem ersten Spaziergang durch Labuan Bajo, einer kleinen aber schnell wachsenden Hafenstadt im Westen Flores, fällt auf, dass es hier öffentlichen Nahverkehr gibt. Ständig sieht man Sammeltaxis, die in einer großen Runde durch die Stadt fahren. In Bali gibt es zwar Sammeltaxis und richtige Busse aber sie scheinen überhaupt keine Rolle zu spielen. Ich kenne niemand, der schon mal ein Sammeltaxi oder einen Bus benutzt hat. In Canggu, wo wir wohnen, fahren keine Busse und es passiert nur ganz ganz selten, dass ich mal ein Auto sehe, dass wie ein Sammeltaxi aussieht. Vermutlich gab es auf Bali früher auch Sammeltaxis aber dadurch, dass die meisten Einheimischen inzwischen wohlhabend genug sind, dass sie sich Motorräder leisten können und dadurch nicht mehr auf Sammeltaxis angewiesen sind, sank die Nachfrage und die Sammeltaxis wurden eingestellt. Im verstopften Süden Balis steigt so langsam das Bedürfnis nach Bussen um die Anzahl der Fahrzeuge wieder zu reduzieren.
Dagegen gab es auf Flores viel weniger Motorräder auf den Straßen und auch viel weniger neue und teure Modelle.

In manchen Städten sind die Sammeltaxis die ältesten Schrott-Autos die man sich vorstellen kann. Ganz im Gegenteil auf Flores: bunt beklebte, bemalte und neue Kleinbusse sind dort im Einsatz. Mit Heckspoilern, dekorierten Felgen, bunten Spiegeln und Scheibenwischern. Und das allerwichtigste natürlich: die Stereoanlage. Unter den Sitzbänken waren riesige Lautsprecher und Subwoofer befestigt, die bis zum Maximum aufgedreht wurden. Die Meisten hörte man bevor man sie sah.

Bei unserer ersten Busfahrt wusste ich sofort, als der Busfahrer die Musik bis zum Anschlag aufdrehte, dass es jetzt los geht. Aus den übersteuerten Lautsprechern über mir kam der Gesang und irgendwo von hinten die wummernden Bässe. Es wechselten sich indonesische Liebesschnulzen mit regionalen Flores-Techno ab. Nach ein paar Minuten hatte ich genug und steckte mir die Ohrstöpsel rein, die wir zum Glück dabei hatten. Auf der Rückfahrt hatten wir dann das Glück direkt über den Subwoofern zu sitzen.

Ansonsten war es eine typische Busfahrt: die Türen waren immer offen, der Boden war voll mit Gepäck und Einkäufen, unter den Sitzen gackerten ein paar Hühner, es wurde geraucht und der Typ, der zusätzliches Gepäck auf dem Dach verstaute, verschwand während der Fahrt mal und kletterte auf’s Dach.

Auf dem Land waren die meisten Häuser aus Bambus. Wellblech für die Dächer und vermutlich fest gestampfte Erde als Boden. Ich habe auf Flores keine einzige Gasflasche gesehen. Dafür aber jede Menge Feuerholz. Selbst in einem der Restaurants wurde über einem Feuer gekocht. Oft gab es auch ein Bambushaus, was oben ganz schwarz und rußig war. Wahrscheinlich die „Küche“.

Selbst in Labuan Bajo, was zwar nicht die Hauptstadt von Flores ist aber die meisten Touristen abbekommt, ist es weniger touristisch als die meisten Orte auf Bali. Man merkt das sofort an der Bevölkerung: die Menschen sind viel freundlicher, weniger gelangweilt, wir werden oft einfach so auf der Straße gegrüßt und es gibt mehr neugierige Blicke. Ein paar Expats aus Labuan Bajo, mit denen wir uns unterhalten, erzählen uns, dass die Menschen sehr freundlich seien und das Diebstahl im Gegensatz zu Bali kein Problem sei. Und dass, obwohl die Stadt alles andere als unentdeckt ist. Es gibt ungefähr 10 verschiedene Tauchboote die jeden Tag raus fahren, sehr viele Restaurants für Touristen und zahllose „Reisebüros“ die Transport und Touren verkaufen.

In einer abgelegeneren Gegend zu sein hat auch einige Nachteile. Es gibt weniger Importiertes und die meisten Hotels und Restaurants sind nicht besonders gut. Komischerweise bedeutet in Indonesien weiter abgelegen meist nicht günstiger. Eher im Gegenteil, der Standard der Unterkünfte sinkt und die Preise steigen. Entweder ist die Konkurrenz nicht groß genug oder die Preisabsprachen funktionieren zu gut. Die überhöhten Preise waren ziemlich nervig in Flores. Einen Roller zu mieten war doppelt so teuer wie auf Bali. Die Touren die von unserem Hotel vermittelt wurden, waren selbst nach dem Handeln noch viel zu teuer. So war dann unsere Bootsfahrt vom Hotel mit Stopp bei der Komodo Insel und Schnorcheln teurer als das Flaschentauchen, was wir am nächsten Tag gemacht haben.

Mein Eindruck war, dass Flores viel dreckiger und lauter als Bali ist. Die anderen Expats auf Bali konnten sich das kaum vorstellen, da Bali nicht gerade für seine Sauberkeit und Ruhe bekannt ist. Wenn man in Bali essen geht, sitzt man meist draußen nur wenige Meter von der Straße entfernt. Man gewöhnt sich schnell daran, kurz in der Unterhaltung inne zuhalten, wenn wieder ein extra laut getuntes Motorrad vorbei knattert (Auspuff auf Indonesisch ist übrigens Knallpot). In Moni, einem kleinen Dorf auf Flores in der Nähe von dem Kelimutu-Vulkan, sind die Autos hupend durchgefahren, damit alle Platz machen. Eines Morgens um 5 Uhr hat ein ein Sammeltaxi mit lautem Flores-Techno direkt vor unserem Guesthouse für 10 Minuten angehalten.

Vor unserem Rückflug nach Bali haben wir noch etwas Zeit in Ende verbracht. Im Gegensatz zu Moni, was durch die Nähe zum Kelimutu-Vulkan schon durch den Tourismus versaut ist, hat es wieder unglaublich viel Spaß gemacht durch Ende zu laufen. Die Menschen waren so freundlich und haben sich über jedes Wort Indonesisch total gefreut. Auch wenn wir uns Touristenpreise für Getränke und Lebensmittel leisten können, so ist es einfach netter normale Preise zu bekommen. Wir sind auch durch einen tollen, bunten Markt gelaufen, wo ich mich gar nicht getraut habe Fotos zu machen bzw. ich wusste auch nicht, wo ich überhaupt anfangen sollte.

Fischmarkt von Labuan Bajo.

Sehr populär auf Flores ist das Betelnusskauen. Das habe ich auf Bali nie gesehen. Interessanterweise machen das nur Frauen.
In Moni waren wir zu einer Hochzeit eingeladen, bei der ich eine Gruppe älterer Frauen beobachtete, wie sie nach dem Essen – vergleichbar zu Jugendlichen die einen Joint bauen – ihre Betelnüsse, Blätter und Pulver heraus geholt und es zubereitet haben.

Betelnussstand in Ende.

Schon so ein langer Artikel und ich hab fast nichts geschrieben, womit wir die Zeit verbracht haben. Dazu ein andermal mehr.

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7 Gedanken zu “Urlaub auf Flores

  1. What about posts on Singapore?
    Hope you’ve had a nice summer. It’s nice to see the photos of what we might have missed!

  2. hi, das ist ja interessant, dass sich die Vegetation so ändert, also eher australisch.Wo haben die denn diese teuren Sammeltaxis her? Werden die von Staat bezahlt? Wohl kaum von den Einheimischen…aber sehen cool aus:)

  3. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass die staatlich unterstützt werden. So teuer sind die wahrscheinlich auch nicht. Es sieht ja auch alles sehr selbstgebastelt aus.

  4. Hallo Felix, sehr feiner Artikel, vielen Dank! Plane gerade eine Flores-Tour im nächsten Jahr. Frage an Dich: Wie komme ich von Labuan Bajo am besten zur Höhle Liang Bua oder zum Kelimutu? Habe keine Ahnung von den Wegen und kann mir das im Sammeltaxi irgendwie schwer vorstellen. Selber mieten oder ins doch ins lokale „Reisebüro“ gehen? Danke für Deine Hilfe. Viele Grüße, Rainer

    • Hallo Rainer, also wir sind von Labuan Bajo nach Ende geflogen um Kelimutu zu besuchen. Das ist auf jeden Fall der schnellste und günstigste Weg. Autos kann man in der Regel nur mit Fahrer mieten ca. 50 Euro pro Tag. Bei mehrtägigen Touren muss man angeblich auch Unterbringung und Verpflegung von dem Fahrer übernehmen. Von Labuan Baja zu der Höhle ist es ungefähr eine Tagestour (6-8 Stunden), wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Bis Kelimutu sind’s 2 – 3 Tage. Die reguläre Busse nach Ende kosten einen Bruchteil und dauern angeblich 20 Stunden, wenn man es in einem Stück fährt. Das ist auf jeden Fall ein Abenteuer :-).

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