Schöpfungsmythos des balinesischen Hinduismus

Am Anfang gab es nichts, keinen Himmel und keine Erde. Nur magnetisches Eisen ganz unten am Boden von Allem. Die Weltschlange Antaboga schaffte durch Meditation die Schildkröte Bedawang. Auf derem Panzer winden sich zwei Schlangen. Dies bildet das Fundament für die Welt. Unter der Schildkröte befindet sich die dunkle Unterwelt mit dem männlichem Gott Batara Kala, der weiblichen Göttin Setesuyara und der großen Schlange Basuki. Kala schaffte das Licht und die Erde. Über der Erde befinden sich mehrere Himmel in denen sich der Gott Brahma, der Gott der Liebe Semara, der Gott der Sonne Surya, der Vogelmensch Tjak, die geflügelte Schlange Taksaka und die Seelen der Vorfahren aufhalten.

Das ist ein kleiner Teil aus dem Schöpfungsmythos des balinesischen Hinduismus. Typischerweise wird Bali als hinduistische Insel bezeichnet, was aber etwas ungenau ist, da indischer und balinesischer Hinduismus große Unterschiede aufweisen. Ein indischer Hindu wüde die Religion der Balinesen wohl nicht als seine eigene wiedererkennen und umgekehrt. Die Schildkröte hat mich ja zuerst an Terry Pratchetts Scheibenwelt denken lassen aber ich glaube, dass das in Naturreligionen nicht so ungewöhnlich ist.
Selbst in dieser kurzen Beschreibung der Schöpfung kann man die Einflüsse aus verschiedenen Religionen und Überlieferungen erkennen. Charakteristisch für die balinesische Religion scheint die Offenheit gegenüber und Integration von anderen Ideen zu sein. Die Einflüsse von anderen Kulturen und Religionen wurden in die balinesische Weltanschauung auf ganz eigene Weise integriert. Dadurch entstand über die Zeit eine ganz einzigartige und etwas exzentrische Kultur und Religion.

Kultur und Religion sind untrennbar verwoben auf Bali. Auch der Alltag der Balinesen wird bestimmt durch die Religion. Dieses gesellschaftliche Modell scheint gut funktioniert zu haben, da es schon eine lange Tradition hat. Gerade die Künste haben sich sehr weit entwickelt. Bali hat einen großen Reichtum an Tänzen, Musik, Theater und Kunsthandwerk hervorgebracht.

Es gibt in dem Schöpfungsmythos noch eine witzige Stelle. Nachdem Siwa die Insekten, Wisnu die Bäume und Isara die Früchte erschaffen haben, gibt es einen Wettstreit zwischen Brahma und Batara Kala darüber wem es gelingt Menschen zu erschaffen. Nachdem Brahma Figuren aus gebrannten Ton schuf, verkündet Kala, dass er Kot essen würde, wenn es Brahma gelänge die Figuren zum Leben zu erwecken. Brahma schafft es und daraufhin schuf Kala die Hunde, die auf Ewigkeit winseln, bellen und Kot essen sollen.

Dazu sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass die Balinesen sehr tierlieb sind. Es gibt sehr viele streunende Hunde, die alle gut genährt und lieb sind. Und wenn der Hund von unserem Nachbarn in unseren Garten kommt, dann tut er genau das, wozu Kala ihn bestimmt hat.