Linktipps

Indonesien will damit aufhören Maids in andere Länder zu exportieren, was in Singapur natürlich nicht gern gesehen wird.

Vor einigen Wochen ging es groß durch die Medien in Singapur, dass die verschiedenen Busgesellschaften die Gehälter für die Busfahrer erhöhen. So verdienen Singapurische Busfahrer nun zwischen ~2000 S$ und 3500 S$ (abgesehen von Überstunden ist mir bisschen unklar warum Busfahrer ein variables Gehalt haben).
Nicht geändert hat sich aber, dass Busfahrer nach ihrer Nationalität bezahlt werden. Malayen bekommen weniger als Einheimische und Chinesen am Wenigsten (ca. 1400 S$ in 2012). Als vor ein paar Jahren chinesische Busfahrer dagegen – verbotenerweise – auf die Straße gegangen sind, wurden sie erst ins Gefängnis gesteckt und dann abgeschoben.

Konservative Organisationen und Medien sind immer gut darin sich angsteinflössende aber falsche Behauptungen auszudenken. In Indonesien wird LGBT mit dem folgenden in Verbindung gebracht:

terrorism, connecting it with drugs and arguing that it weakens national masculinity, destroys morality, is contrary to the idea of the nation [..], promotes seks bebas (‘free sex’), exacerbates the HIV/AIDS epidemic and is connected to the sexual abuse of children

Um Ordnung und Moral wiederherzustellen wurden unter anderem Smilies in einer Chat-App verboten, auf denen zwei Frauen bzw. zwei Männer abgebildet waren.

Schlimmer als LGBT scheinen in Indonesien nur Atheisten zu sein.

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Meinungsfreiheit und Zensur in Singapur

Ein spannendes Puzzleteil in dem komplexen Gebilde, das ein Land darstellt, ist die Meinungsfreiheit und die Zensur. Natürlich gibt es auch in Deutschland Grenzen der Meinungsfreiheit und Medienerzeugnisse, die verboten sind. Interessant ist aber welche Themen betroffen sind und wo die Grenze gezogen wird.

Bei den Reportern ohne Grenzen landet Singapur auf Platz 154 von 180 und damit hinter der Türkei, die auf Platz 151 ist. Deutschland ist immerhin auf Platz 16.

In Singapur werden Filme komplett verboten wenn:

the content of the film undermines national interest or erodes the moral fabric of society. [..] denigrate any race or religion, or undermine national interest, language that denigrates religion or is religiously profane, real sexual activities [..], explicit promotion and normalisation of homosexual lifestyle, [..] encouraging drug and substance abuse and [..] extreme violence or cruelty.

Also wenn sie gegen nationale Interessen oder gesellschaftsgefährdend sind, sich negativ über Rassen oder Religionen äußern oder Pornographie, Homosexualität, Drogen und extreme Gewalt enthalten.

Als Grund wird genannt:

censorship of political, racial and religious issues to a certain extent is necessary to avoid upsetting the delicate balance of Singapore’s multi-racial society

Das klingt ein bisschen als würde der Staat seine Bürger beschützen, damit sie nicht mit anderen Meinungen oder der bösen Welt in Berührung kommen (einige Singapurer sagen auch, dass der Staat sie wie kleine Kinder behandelt). Fairerweise muss man sagen, dass es Ende der sechziger Jahre in Singapur rassistische motivierte Unruhen gab.
Probleme zu ignorieren und Kritik nicht zu äußern gehört in einigen asiatischen Ländern auch zur Mentalität (Gesicht wahren etc).

Politische Filme sind generell nicht erlaubt und müssen explizit genehmigt werden.


Dieser harmlose Werbespot, der sich über die Regierungspartei lustig macht, fällt in diese Kategorie – die Media Development Authority (MDA) / Zensurbehörde hat aber ein Auge zugedrückt.
Singapore Rebel, ein Dokumentarfilm über den Vorsitzenden der Oppositionspartei SDP, war für 5 Jahre verboten.


Dieses Musikvideo von Jolin Tsai aus Taiwan, was die Benachteiligung bzw. Probleme durch die Nicht-Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften thematisiert darf nicht im Fernsehen und Radio in Singapur gespielt werden, da Homosexualität in Singapur nicht akzeptiert ist. Selbst Katy Perry mit „I kissed a girl“ ist nicht erlaubt.

Blogger oder Youtuber werden regelmäßig in Singapur zu hohen Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt, z.B. wenn sie die Regierung kritisieren oder Missstände thematisieren.
Sobald Journalisten oder Oppositionspolitiker auch nur die Vermutung äußern, dass Regierungsmitglieder bestechlich wären oder Geld veruntreut hätten, werden diese sofort in Grund und Boden geklagt und typischerweise zu Entschädigungszahlungen zwischen 1.000 und 30.000 $ verurteilt. Der Politiker Chee Soon Juan wurde wiederholt verklagt und in einem Fall zu 500.000 $S Dollar.
In der Berichterstattung zu solchen Fällen findet sich nie ein Hinweis, ob überhaupt der Frage nachgegangen wurde, ob diese Vermutungen vielleicht gerechtfertigt sind.

Der 16 jährige Amos Yee landete wegen eines Youtube Videos, in dem er den ehemaligen Präsidenten Lee Kuan Yew kritisierte, für 55 Tage in Untersuchungshaft. Das Video ist zwar etwas vulgär aber es enthält durchaus valide Kritik z.B. dass Singapur auch eine hohe Armutsrate, einen der höchsten Gini-Koeffizienten (Maß für soziale Ungleichheit) und die höchsten Politikergehälter weltweit besitzt.

Madonna musste 2016 einige Lieder wegen Gotteslästerung von ihrem Konzert streichen um die Erlaubnis zu bekommen in Singapur auftreten zu dürfen.

Mehr unter:
http://singaporerebel.blogspot.sg/
https://en.wikipedia.org/wiki/Censorship_in_Singapore
https://en.wikipedia.org/wiki/Media_censorship_in_Singapore

Wie sich die Perspektive verändert

Als ich letzten Sommer wieder in Berlin war, gab es ein paar Kleinigkeiten über die ich mich sehr gefreut habe. Zum Beispiel war es eine schöne Abwechslung mal wieder kuschelige Pullis und warme Socken anziehen zu können. Kalte Füße zu bekommen habe ich dagegen überhaupt nicht vermisst. Wegen der Temperatur muss man in den Tropen nie den Wetterbericht anschauen. T-Shirt und kurze Hosen gehen das ganze Jahr lang. Wichtiger ist, ob man sich längere Zeit in einem klimatisierten Raum wie einem Restaurant oder Kino aufhalten wird, weil dann braucht man manchmal was zum Überziehen.

Im Sommer bin ich viel mit dem Fahrrad herum gefahren und als es mal steil bergab ging, hatte ich richtig Angst vom Rad zu fallen. Ich hatte mich so ans Rollerfahren gewöhnt, wo man etwas niedriger (und stabiler) sitzt. Außerdem hab ich die ganze Zeit versucht in den Rückspiegel zu schauen.

Besonders erleichternd war, dass ich mich nicht mehr zwei mal täglich mit giftiger Mückencreme einreiben musste. DEET-haltige Creme ist sehr unangenehm, da man 1 bis 2 Stunden aufpassen muss, sich nicht in die Augen oder an die Nase zu fassen (brennt sonst) oder mit den Händen zu essen. Zum Glück brauchen wir das in Singapur viel seltener.

Es macht auch einen Riesenunterschied in der Lebensqualität, wenn man Fuß- und Radwege hat, die den Namen verdienen. Oder sogar Auto-freie Anlagen wie z.B. den Park am Gleisdreieck.
Mir ist es etwas schwerer gefallen mich wieder an den Rechtsverkehr zu gewöhnen als andersherum. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass es einfacher ist sich auf Bali zu orientieren, da überall so viel los ist. Dort würde sich auch niemand beschweren, wenn man eine zeit lang auf der falschen Seite fährt.

Wirklich gefreut hab ich mich auch, dass es Abends so lange hell ist! Auf Bali wurde es das ganze Jahr lang schlagartig um 7 Uhr dunkel, was lange, dunkle Abende bedeutet. Ich glaube, dass ich mehr Energie habe, wenn es länger hell ist.

Ganz praktisch war, dass die Wohnungen in Berlin nicht so voll mit Ameisen waren, wie unser Haus auf Bali. Wenn ich dort meine Teetasse oder etwas Süßes zu lange (wenige Stunden) habe stehen lassen, führte bald eine Ameisenstraße dorthin.

Wenn ich in der Hitze von Singapur zu Fuß irgendwo hin laufe, vermisse ich manchmal den Roller, weil das schon sehr praktisch war.
Ich glaube, einer der Unterschiede von Singapur zu Bali, der mir am Besten gefällt, ist dass ich wieder Leitungswasser trinken kann.

Dangdut-Musik aus Indonesien

Dangdut ist der populärste Musikstil in Indonesien. Sehr beliebt ist natürlich auch westliche Pop-Musik oder Musik, die genauso klingt aber bei der auf Indonesisch gesungen wird. Dangdut jedoch ist die einzige moderne Musik, die ich kenne, mit einem indonesischen Einschlag. Ich höre es ganz gerne, da es rhytmisch ist und mir der Klang der Tabla-Trommeln und die Melodien gefallen.

Interessant an der Dangdut-Musik ist aber, dass man daran sehr schön sehen kann wie unterschiedlich und voller (scheinbarer) Widersprüche dieses Land ist. Konservative kritisieren, dass manche Sängerinnen zu freizügig gekleidet sind und zu erotisch tanzen (die Folge: Verfall der Werte, sexuelle Übergriffe, Untergang des Landes – ganz klar). Bei Arte gibt es eine kurze Dokumentation zu dieser Diskussion.

In der Dokumentation ist eigentlich überraschend, dass die Sängerin Inul Daratista soviel öffentlichen Druck erfährt und sich für ihre Auftritte entschuldigen muss, obwohl sie verglichen mit anderen Sängerinnen in Indonesien eher harmlos ist. In Deutschland würde sich wahrscheinlich niemand über sie beschweren.

Es gibt aber auch Live-Auftritte, die ich etwas befremdlich finde, da sie mehr an Strip-Shows erinnern als an Musikkonzerte (besonders, wenn Männer auf die Bühne kommen und Geldscheine gegen Extra-Aufmerksamkeit tauschen so wie hier).

Es mag erstmal verwundern, wie diese Art zu tanzen zu einem muslimischen Land passt. Aber die meisten Indonesier, die wir kennen gelernt haben, waren sehr liberal und offen. Ich würde auch behaupten, dass das auf die Mehrheit der Bevölkerung zutrifft. Ganz grob trägt nur die Hälfte der Frauen überhaupt ein Kopftuch. Auf der einen Seite kennen wir muslimische Frauen, die rauchen, Alkohol trinken und Schweinefleisch essen und andererseits auch welche, die fünfmal am Tag beten und in ihrem ganzen Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken haben. Und dann gibt es auch noch die Fanatiker in Aceh, die die Scharia eingeführt haben.

Noch ein Anlass für Kritik sind die Texte im Dangdut zu sein (die ich zum Glück nicht verstehe), wie Sacha Stevenson sehr schön verdeutlicht. Cita Citata, von der das Orginal stammt, ist extrem populär in Indonesien. In dem Lied Parawan atau Janda übersetzt „Jungfrau oder Witwe“ fragt sie „Welche willst du? Die Jungfrau oder die Witwe?“ und besingt vier Minuten lang die Vor- und Nachteile dieser „Arten“ von Frauen. Die Weltanschauung dahinter kann man wohl bestensfalls als altmodisch bezeichnen.

Hausmädchen in Singapur

Dienstboten oder Hausmädchen sind in Deutschland ein Relikt aus der Vergangenheit. Manchmal trifft man auf sie in alten Büchern oder findet einen Dienstboteneingang in einer Berliner-Altbauwohnung vor. Am Ähnlichsten zum Hausmädchen ist noch das Au-pair, bei dem Jugendliche im Ausland bei einer anderen Familie leben und bei der Kinderbetreuung helfen um dort eine andere Sprache und Kultur kennenzulernen.
Dagegen sind in Singapur Hausmädchen so beliebt und verbreitet wie in Europa vor 100 Jahren. Leider unter vergleichbar schlechten Bedingungen wie damals.

Hausmädchen (engl. Maids) oder Foreign Domestic Worker – wie sie offiziell in Singapur heißen – sind weit verbreitet und sehr sichtbar im Alltag. Laut einem Zeitungsartikel arbeiten rund 230.000 Hausmädchen in Singapur. Eine realistische Schätzung ist wahrscheinlich, dass 10% aller Haushalte ein Hausmädchen anstellen (bei den 1,2 Millionen Haushalten von SingStat fehlen vermutlich die Expat-Haushalte). Nach Claires Einschätzung hat jedes Kind von ihrer Schule ein Hausmädchen in der Familie.
Man kann sie meistens daran erkennen, wenn die in der Regel dunkelhäutigen Frauen, mit den Hunden Gassi gehen, die Autos waschen, schwer beladen vom Einkaufen zurückkommen oder die Kinder von der Schule abholen.

Die Vermittlungs-Agenturen

Ich bin zum ersten Mal auf das Thema aufmerksam geworden, als ich durch ein Einkaufszentrum in der Nähe von Claires Schule ging, das voller Agenturen für Hausmädchen war. Es gab bestimmt 10 der 15 solcher Agenturen, von denen die meisten auf ein Herkunftsland spezialisiert waren: „Indonesian Maids“, „Myanmar Maids“, „Philippines“, „Best Maids from Malaysia“. Die Läden erinnerten an Reisebüros aber es gab noch eine Reihe von Stühlen, auf denen Frauen mit identischen T-Shirts saßen und warteten. Es war ein ziemlich komisches Gefühl durch diese Mall zu laufen. Als kann man sich dort, wie in einem Bordell, eine Frau aussuchen. Oder wie Sklaven, die auf ihren neuen Besitzer warten.

Bei den Agenturen kann man sich Hausmädchen nach Nationalität, Alter, Religion, Familienstand, Fähigkeiten und mehr aussuchen. Zu den wichtigsten Fähigkeiten gehören: Kinderbetreuung, Kochen, Haushalt und Altenpflege. Viele Frauen arbeiten schon lange als Hausmädchen und waren auch in Ländern wie Saudi Arabien, Dubai oder Malaysia tätig. Viele sind auch verheiratet und haben selbst Kinder in ihrer Heimat. Das muss schwer sein, wenn man die eigenen Kinder zurück lässt, um in einem anderen Land für fremde Kinder zu sorgen.

Die Arbeitsbedingungen in der Theorie

Als Hausmädchen verdient man normalerweise zwischen 400 und 700 Singapur Dollar im Monat (260 bis 450 Euro). Sie haben Anspruch auf einen Schlafplatz in der Wohnung ihres Arbeitgebers und drei Mahlzeiten am Tag. Zusätzlich bezahlt der Arbeitgeber für eine Krankenversicherung und alle anfallenden Arztrechnungen. Sie müssen sechs Tage pro Woche arbeiten und haben einen Tag frei. Laut Gesetz müssen sie ihren Arbeitgebern für 16 Stunden täglich zur Verfügung stehen, z.B. von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr nachts.

Für Hausmädchen und Arbeitgeber gelten strenge Regeln. Als Hausmädchen bekommt man ein spezielles Visum, dafür muss man weiblich sein, zwischen 23 und 50 Jahre alt und aus bestimmten Ländern kommen wie z.B. Philippinen, Thailand, Indonesien, Malaysia. Wer als Hausmädchen schwanger wird oder an einer Geschlechtskrankheit erkrankt, wird sofort abgeschoben.

Es gibt noch viele sehr detaillierte Beschreibungen, z.B. dass man ihr mindestens eine Matratze, ein Kissen und eine Decke zur Verfügung stellen muss. Oder dass ihr Zimmer von Regen, Sonne und Wind geschützt sein muss (Balkon geht wohl nicht). Ich konnte nichts darüber finden, ob die Bombshelter (wie ein dunkler, begehbarer Wandschrank) mit ihren ca. 2 mal 2 Meter als Zimmer für ein Hausmädchen erlaubt oder verboten sind aber es ist wohl üblich, das sie im Bombshelter schlafen.

Wenn man zum Ersten mal ein Hausmädchen einstellen will, muss man sogar Kurse besuchen um über die Rechte und Pflichten informiert zu werden (nicht ganz verkehrt bei soviel Gesetzen). Es gibt aber auch Dokumente in denen erklärt wird, dass die Hausmädchen ihre Aufgaben besser erfüllen können, wenn man ihnen ausreichend zu essen gibt oder dass sie länger bei ihrem Arbeitgeber bleiben würden, wenn man sie mit Respekt behandelt.

Die traurige Realität

Die Bedingungen unter denen viele Hausmädchen leben und arbeiten sind unmenschlich. Es gibt Fälle, in denen die Frauen von ihren Arbeitgebern verprügelt, zu Tode gehungert und ständig beschimpft und schikaniert werden. Dagegen sind die Fälle, in denen ihnen der wöchentliche Ruhetag verwehrt wird, noch harmlos. Einige Arbeitgeber installieren sogar Überwachungskameras in der eigenen Wohnung um die Hausmädchen damit zu überwachen und nehmen ihnen Telefon und Pass weg. Dadurch, dass die Arbeitgeber die Hausmädchen jederzeit ohne besondere Gründe feuern können (was in den meisten Fällen wohl die Abschiebung bedeutet), ertragen viele die schlechte Behandlung und trauen sich auch nicht anderweitig Unterstützung zu suchen.

Einem Hausmädchen aus den Philippinen wurde das Telefon weggenommen, jeglicher Kontakt zu ihrer Familie und anderen Menschen untersagt, ihr Gehalt einbehalten und sie auf 29 kg ausgehungert (dreimal täglich Instantnudeln mit etwas Toast).

Eine andere wurde von ihren Arbeitgebern geschlagen, wenn sie Fehler machte oder als sie angeblich Essen aus dem Kühlschrank gestohlen hatte.

Im letzten Jahr gab es auch mehrere Selbstmordversuche von Hausmädchen aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen.

Sehr traurig ist der Fall, wo ein psychisch krankes Hausmädchen die Schwiegermutter ihrer Arbeitgeberin im Schlaf erstickte, um sich bei ihrer Arbeitgeberin beliebt zu machen. Vor der Tat wurde das Hausmädchen ständig erniedrigt, des Klauens verdächtigt und von ihrer Arbeitgeberin als wildes Schwein bezeichnet (eine der schlimmsten Beleidigungen für einen muslimische Frau).

Es ist schwer zu sagen, wie weit verbreitet diese Bedingungen wirklich sind. Laut dem Arbeitsamt wurden bereits mehr als 2000 Arbeitgeber für die schlechte Behandlung ihrer Hausmädchen bestraft. Vermutlich werden die meisten Hausmädchen anständig behandelt. Aber diese Extremfälle zeigen, dass es noch einer langer Weg sein wird, bis Singapur mit seinen billigen Arbeitskräften wirklich fair umgeht.

Die andere Seite

Bei meinen Recherchen bin ich auf ein Blog gestossen, in dem eine Frau über ihre negativen Erfahrungen mit Hausmädchen schreibt. Ich kann auch ein kleines bisschen nachvollziehen, dass es sehr frustrierend sein kann ein Hausmädchen anzustellen und zu trainieren, schließlich hatten wir auf Bali selber für zwei Jahre einen Putzmann. Dennoch ist wirklich erschreckend, was sie und andere Arbeitgeber für ein Bild von Hausmädchen haben.

Die Hausmädchen wären alle faule, arbeitsscheue Prinzessinnen, denen es viel zu gut geht. Sie selbst wäre das eigentliche Opfer, da sie für alles bezahlen muss und die Regulierungen des Arbeitsamts (MOM – Ministry of Manpower) die Hausmädchen schützen und nicht die Arbeitgeber. Folglich hat sie zur Kontrolle Überwachungskameras installiert, in ihren Hausregeln sind keine Nickerchen erlaubt, es darf nicht länger als 10 Minuten geduscht, die Waschmaschine darf nicht für die eigene Wäsche benutzt werden, das private Telefon händigt sie ihrem Hausmädchen erst um 7 abends aus und dergleichen mehr.

Linktipps Singapur (1)

Seit einigen Wochen schaue ich regelmässig in den Lokalteil von Singapurs Zeitungen um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was für Themen die Singapurer bewegt. Da hab ich auch schon ein paar lustige Artikel gefunden, die vielleicht auch typisch für Singapur sind.

Niedrigste Anzahl an herunter gefallenen Fenstern seit 10 Jahren
Offenbar kommt es manchmal vor, dass Fenster (mitsamt dem Rahmen?) sich lösen und zu Boden fallen. Bei 20-stöckigen Hochhäusern kann das natürlich sehr gefährlich sein. In Vergleich zu letztem Jahr sind nur 30 Fälle erfasst worden. 13 weniger als im Vorjahr. Wer seiner Pflicht, alte Fensterrahmen auszutauschen nicht nachkommt, der kann – wie sollte es anders sein – hart bestraft werden. Ein Fensterfall, der auf Fahrlässigkeit des Besitzer zurückzuführen ist, kann mit 10.000 S$ und/oder einem Jahr Gefängnis bestraft werden.

Dieser erfreuliche Trend, dass immer weniger Fenster runterfallen, ist sicherlich der „Window Safety“ Kampagne, den „window safety awareness“ Events und den „window maintenance tips“ der entsprechenden Behörde zu verdanken.

Arbeiten am Fahrradwegnetzwerk in Ang Mo Kio begonnen
Vorneweg: Fahrradwege sind praktisch nicht vorhanden in Singapur. Im Außenbezirk Ang Mo Kio haben nun die Arbeiten an dem ersten Abschnitt (4 km) der insgesamt 20 km geplanten Fahrradwege begonnen. Was wohl schon einen Rekord darstellt.
Um das Spazierengehen angenehmer zu gestalten, sollen entlang bestimmter Fußwege besondere Orchideen gepflanzt werden. Ich bin gespannt, ob die Einheimischen dafür wirklich ihr Auto stehen lassen.

Passend dazu ist der Artikel von Bruno Wildermuth, der wesentlich an der Planung und dem Bau des U/S-Bahnsystems von Singapur beteiligt war: Singapur ist eine Stadt für Autos geworden, nicht für Menschen (PDF ab Seite 15).

Sehr empfehlenswert ist der Kurzfilm Singapore Rebel, in dem es um einen Politiker geht, der durch seine – für unsere Begriffe harmlosen – Aktionen mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist. Er wurde wiederholt zu sehr hohen Geld- und Haftstrafen verurteilt.
Der Film, der m.E. recht objektiv und nicht wertend darüber berichtet, war 5 Jahre lang verboten (bis das angewandte Gesetz verändert wurde). Der Filmemacher wurde meines Wissens nie verurteilt, es wurde aber lange gegen ihn ermittelt und wenn ich ihn richtig verstanden habe, dann war er zeitweise auch im Gefängnis.

Wenn ihr mal hören wollt, wie man in Singapur Englisch spricht:
How To Serve Singaporean Customers
Omas in Singapur
Der Musik-Hit in Singapur

Urlaub auf Flores

Letzten Oktober gab es wieder eine Woche Schulferien. Eine gute Gelegenheit ein kleines bisschen mehr von Indonesien kennenzulernen. Wenn man Indonesien richtig kennenlernen will, hat man viel zu tun. Es braucht wahrscheinlich Jahre (außer als Vollzeit-Reisender) um zumindest auf jeder der acht Hauptinseln(gruppen) einmal gewesen zu sein. Und selbst dann hat man wahrscheinlich nur an der Oberfläche gekratzt. Dadurch, dass Indonesien aus so vielen Inseln besteht und viele auch sehr bergig sind, gibt es eine unglaubliche Fülle von unterschiedlichen Kulturen und Sprachen in Indonesien. Flores – wohin wir dieses Mal geflogen sind – ist eine relativ kleine, lang gezogene Insel, die sich maximal über 400 km ausdehnt. Und dennoch gibt es bereits fünf verschiedene ethnische Gruppen mit eigenen Sprachen: die Manggarai, Ngada, Ende, Sikkanesen und Lamaholot.

Flores liegt ein paar Inseln weiter östlich als Bali. Die Bevölkerung ist überwiegend katholisch, vermutlich war es mal portugiesische Kolonie so wie Timor, was sich ganz in der Nähe befindet. Flores ist viel weniger entwickelt als Bali, was sehr interessant war. Generell kann man wahrscheinlich sagen, dass es in Indonesien ein West-Ost Gefälle gibt, wobei der Westen am Bevölkerungsreichsten und am Weitesten entwickelt ist. Aber Flores besitzt zwei oder drei Touristenattraktionen, die auch für uns der Grund waren Flores zu besuchen: Die vorgelagerten Inseln Komodo und Rinca mit den einzigartigen Komododrachen, den Vulkan Kelimutu mit seinen farbigen Vulkanseen und das selbst für indonesische Standards (was Tauchen angeht ist Indonesien top) sehr gute Tauchen.

Zwischen Bali und Lombok verläuft die sogenannte Wallace-Linie. Westlich dieser Linie findet man fast nur asiatische Flora und Fauna und östlich davon hauptsächlich australische. Für den Laien ist diese Grenze nicht so leicht zu erkennen. Alleine dadurch dass Flores sehr trocken ist sieht die Vegetation schon ganz anders aus. Was aber sehr auffällt ist, dass die Menschen viel weniger asiatisch aussehen, sondern mehr wie Aborigines mit dunklerer Haut und krausen Haaren.

Verglichen mit dem satten Grün der Reisfelder auf Bali ist Flores eine staubige, heiße Steppe. Auf Flores sieht man überall Regenrinnen und große Wassertanks um möglichst viel von dem wenigen Wasser aufzufangen und zu sammeln. Auf Bali verschwendet niemand darauf auch nur einen Gedanken (dabei sinkt der Grundwasserspiegel durch die vielen neuen Villen und Hotels stetig).

Gleich bei unserem ersten Spaziergang durch Labuan Bajo, einer kleinen aber schnell wachsenden Hafenstadt im Westen Flores, fällt auf, dass es hier öffentlichen Nahverkehr gibt. Ständig sieht man Sammeltaxis, die in einer großen Runde durch die Stadt fahren. In Bali gibt es zwar Sammeltaxis und richtige Busse aber sie scheinen überhaupt keine Rolle zu spielen. Ich kenne niemand, der schon mal ein Sammeltaxi oder einen Bus benutzt hat. In Canggu, wo wir wohnen, fahren keine Busse und es passiert nur ganz ganz selten, dass ich mal ein Auto sehe, dass wie ein Sammeltaxi aussieht. Vermutlich gab es auf Bali früher auch Sammeltaxis aber dadurch, dass die meisten Einheimischen inzwischen wohlhabend genug sind, dass sie sich Motorräder leisten können und dadurch nicht mehr auf Sammeltaxis angewiesen sind, sank die Nachfrage und die Sammeltaxis wurden eingestellt. Im verstopften Süden Balis steigt so langsam das Bedürfnis nach Bussen um die Anzahl der Fahrzeuge wieder zu reduzieren.
Dagegen gab es auf Flores viel weniger Motorräder auf den Straßen und auch viel weniger neue und teure Modelle.

In manchen Städten sind die Sammeltaxis die ältesten Schrott-Autos die man sich vorstellen kann. Ganz im Gegenteil auf Flores: bunt beklebte, bemalte und neue Kleinbusse sind dort im Einsatz. Mit Heckspoilern, dekorierten Felgen, bunten Spiegeln und Scheibenwischern. Und das allerwichtigste natürlich: die Stereoanlage. Unter den Sitzbänken waren riesige Lautsprecher und Subwoofer befestigt, die bis zum Maximum aufgedreht wurden. Die Meisten hörte man bevor man sie sah.

Bei unserer ersten Busfahrt wusste ich sofort, als der Busfahrer die Musik bis zum Anschlag aufdrehte, dass es jetzt los geht. Aus den übersteuerten Lautsprechern über mir kam der Gesang und irgendwo von hinten die wummernden Bässe. Es wechselten sich indonesische Liebesschnulzen mit regionalen Flores-Techno ab. Nach ein paar Minuten hatte ich genug und steckte mir die Ohrstöpsel rein, die wir zum Glück dabei hatten. Auf der Rückfahrt hatten wir dann das Glück direkt über den Subwoofern zu sitzen.

Ansonsten war es eine typische Busfahrt: die Türen waren immer offen, der Boden war voll mit Gepäck und Einkäufen, unter den Sitzen gackerten ein paar Hühner, es wurde geraucht und der Typ, der zusätzliches Gepäck auf dem Dach verstaute, verschwand während der Fahrt mal und kletterte auf’s Dach.

Auf dem Land waren die meisten Häuser aus Bambus. Wellblech für die Dächer und vermutlich fest gestampfte Erde als Boden. Ich habe auf Flores keine einzige Gasflasche gesehen. Dafür aber jede Menge Feuerholz. Selbst in einem der Restaurants wurde über einem Feuer gekocht. Oft gab es auch ein Bambushaus, was oben ganz schwarz und rußig war. Wahrscheinlich die „Küche“.

Selbst in Labuan Bajo, was zwar nicht die Hauptstadt von Flores ist aber die meisten Touristen abbekommt, ist es weniger touristisch als die meisten Orte auf Bali. Man merkt das sofort an der Bevölkerung: die Menschen sind viel freundlicher, weniger gelangweilt, wir werden oft einfach so auf der Straße gegrüßt und es gibt mehr neugierige Blicke. Ein paar Expats aus Labuan Bajo, mit denen wir uns unterhalten, erzählen uns, dass die Menschen sehr freundlich seien und das Diebstahl im Gegensatz zu Bali kein Problem sei. Und dass, obwohl die Stadt alles andere als unentdeckt ist. Es gibt ungefähr 10 verschiedene Tauchboote die jeden Tag raus fahren, sehr viele Restaurants für Touristen und zahllose „Reisebüros“ die Transport und Touren verkaufen.

In einer abgelegeneren Gegend zu sein hat auch einige Nachteile. Es gibt weniger Importiertes und die meisten Hotels und Restaurants sind nicht besonders gut. Komischerweise bedeutet in Indonesien weiter abgelegen meist nicht günstiger. Eher im Gegenteil, der Standard der Unterkünfte sinkt und die Preise steigen. Entweder ist die Konkurrenz nicht groß genug oder die Preisabsprachen funktionieren zu gut. Die überhöhten Preise waren ziemlich nervig in Flores. Einen Roller zu mieten war doppelt so teuer wie auf Bali. Die Touren die von unserem Hotel vermittelt wurden, waren selbst nach dem Handeln noch viel zu teuer. So war dann unsere Bootsfahrt vom Hotel mit Stopp bei der Komodo Insel und Schnorcheln teurer als das Flaschentauchen, was wir am nächsten Tag gemacht haben.

Mein Eindruck war, dass Flores viel dreckiger und lauter als Bali ist. Die anderen Expats auf Bali konnten sich das kaum vorstellen, da Bali nicht gerade für seine Sauberkeit und Ruhe bekannt ist. Wenn man in Bali essen geht, sitzt man meist draußen nur wenige Meter von der Straße entfernt. Man gewöhnt sich schnell daran, kurz in der Unterhaltung inne zuhalten, wenn wieder ein extra laut getuntes Motorrad vorbei knattert (Auspuff auf Indonesisch ist übrigens Knallpot). In Moni, einem kleinen Dorf auf Flores in der Nähe von dem Kelimutu-Vulkan, sind die Autos hupend durchgefahren, damit alle Platz machen. Eines Morgens um 5 Uhr hat ein ein Sammeltaxi mit lautem Flores-Techno direkt vor unserem Guesthouse für 10 Minuten angehalten.

Vor unserem Rückflug nach Bali haben wir noch etwas Zeit in Ende verbracht. Im Gegensatz zu Moni, was durch die Nähe zum Kelimutu-Vulkan schon durch den Tourismus versaut ist, hat es wieder unglaublich viel Spaß gemacht durch Ende zu laufen. Die Menschen waren so freundlich und haben sich über jedes Wort Indonesisch total gefreut. Auch wenn wir uns Touristenpreise für Getränke und Lebensmittel leisten können, so ist es einfach netter normale Preise zu bekommen. Wir sind auch durch einen tollen, bunten Markt gelaufen, wo ich mich gar nicht getraut habe Fotos zu machen bzw. ich wusste auch nicht, wo ich überhaupt anfangen sollte.

Fischmarkt von Labuan Bajo.

Sehr populär auf Flores ist das Betelnusskauen. Das habe ich auf Bali nie gesehen. Interessanterweise machen das nur Frauen.
In Moni waren wir zu einer Hochzeit eingeladen, bei der ich eine Gruppe älterer Frauen beobachtete, wie sie nach dem Essen – vergleichbar zu Jugendlichen die einen Joint bauen – ihre Betelnüsse, Blätter und Pulver heraus geholt und es zubereitet haben.

Betelnussstand in Ende.

Schon so ein langer Artikel und ich hab fast nichts geschrieben, womit wir die Zeit verbracht haben. Dazu ein andermal mehr.