Meinungsfreiheit und Zensur in Singapur

Ein spannendes Puzzleteil in dem komplexen Gebilde, das ein Land darstellt, ist die Meinungsfreiheit und die Zensur. Natürlich gibt es auch in Deutschland Grenzen der Meinungsfreiheit und Medienerzeugnisse, die verboten sind. Interessant ist aber welche Themen betroffen sind und wo die Grenze gezogen wird.

Bei den Reportern ohne Grenzen landet Singapur auf Platz 154 von 180 und damit hinter der Türkei, die auf Platz 151 ist. Deutschland ist immerhin auf Platz 16.

In Singapur werden Filme komplett verboten wenn:

the content of the film undermines national interest or erodes the moral fabric of society. [..] denigrate any race or religion, or undermine national interest, language that denigrates religion or is religiously profane, real sexual activities [..], explicit promotion and normalisation of homosexual lifestyle, [..] encouraging drug and substance abuse and [..] extreme violence or cruelty.

Also wenn sie gegen nationale Interessen oder gesellschaftsgefährdend sind, sich negativ über Rassen oder Religionen äußern oder Pornographie, Homosexualität, Drogen und extreme Gewalt enthalten.

Als Grund wird genannt:

censorship of political, racial and religious issues to a certain extent is necessary to avoid upsetting the delicate balance of Singapore’s multi-racial society

Das klingt ein bisschen als würde der Staat seine Bürger beschützen, damit sie nicht mit anderen Meinungen oder der bösen Welt in Berührung kommen (einige Singapurer sagen auch, dass der Staat sie wie kleine Kinder behandelt). Fairerweise muss man sagen, dass es Ende der sechziger Jahre in Singapur rassistische motivierte Unruhen gab.
Probleme zu ignorieren und Kritik nicht zu äußern gehört in einigen asiatischen Ländern auch zur Mentalität (Gesicht wahren etc).

Politische Filme sind generell nicht erlaubt und müssen explizit genehmigt werden.


Dieser harmlose Werbespot, der sich über die Regierungspartei lustig macht, fällt in diese Kategorie – die Media Development Authority (MDA) / Zensurbehörde hat aber ein Auge zugedrückt.
Singapore Rebel, ein Dokumentarfilm über den Vorsitzenden der Oppositionspartei SDP, war für 5 Jahre verboten.


Dieses Musikvideo von Jolin Tsai aus Taiwan, was die Benachteiligung bzw. Probleme durch die Nicht-Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften thematisiert darf nicht im Fernsehen und Radio in Singapur gespielt werden, da Homosexualität in Singapur nicht akzeptiert ist. Selbst Katy Perry mit „I kissed a girl“ ist nicht erlaubt.

Blogger oder Youtuber werden regelmäßig in Singapur zu hohen Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt, z.B. wenn sie die Regierung kritisieren oder Missstände thematisieren.
Sobald Journalisten oder Oppositionspolitiker auch nur die Vermutung äußern, dass Regierungsmitglieder bestechlich wären oder Geld veruntreut hätten, werden diese sofort in Grund und Boden geklagt und typischerweise zu Entschädigungszahlungen zwischen 1.000 und 30.000 $ verurteilt. Der Politiker Chee Soon Juan wurde wiederholt verklagt und in einem Fall zu 500.000 $S Dollar.
In der Berichterstattung zu solchen Fällen findet sich nie ein Hinweis, ob überhaupt der Frage nachgegangen wurde, ob diese Vermutungen vielleicht gerechtfertigt sind.

Der 16 jährige Amos Yee landete wegen eines Youtube Videos, in dem er den ehemaligen Präsidenten Lee Kuan Yew kritisierte, für 55 Tage in Untersuchungshaft. Das Video ist zwar etwas vulgär aber es enthält durchaus valide Kritik z.B. dass Singapur auch eine hohe Armutsrate, einen der höchsten Gini-Koeffizienten (Maß für soziale Ungleichheit) und die höchsten Politikergehälter weltweit besitzt.

Madonna musste 2016 einige Lieder wegen Gotteslästerung von ihrem Konzert streichen um die Erlaubnis zu bekommen in Singapur auftreten zu dürfen.

Mehr unter:
http://singaporerebel.blogspot.sg/
https://en.wikipedia.org/wiki/Censorship_in_Singapore
https://en.wikipedia.org/wiki/Media_censorship_in_Singapore

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