Wie sich die Perspektive verändert

Als ich letzten Sommer wieder in Berlin war, gab es ein paar Kleinigkeiten über die ich mich sehr gefreut habe. Zum Beispiel war es eine schöne Abwechslung mal wieder kuschelige Pullis und warme Socken anziehen zu können. Kalte Füße zu bekommen habe ich dagegen überhaupt nicht vermisst. Wegen der Temperatur muss man in den Tropen nie den Wetterbericht anschauen. T-Shirt und kurze Hosen gehen das ganze Jahr lang. Wichtiger ist, ob man sich längere Zeit in einem klimatisierten Raum wie einem Restaurant oder Kino aufhalten wird, weil dann braucht man manchmal was zum Überziehen.

Im Sommer bin ich viel mit dem Fahrrad herum gefahren und als es mal steil bergab ging, hatte ich richtig Angst vom Rad zu fallen. Ich hatte mich so ans Rollerfahren gewöhnt, wo man etwas niedriger (und stabiler) sitzt. Außerdem hab ich die ganze Zeit versucht in den Rückspiegel zu schauen.

Besonders erleichternd war, dass ich mich nicht mehr zwei mal täglich mit giftiger Mückencreme einreiben musste. DEET-haltige Creme ist sehr unangenehm, da man 1 bis 2 Stunden aufpassen muss, sich nicht in die Augen oder an die Nase zu fassen (brennt sonst) oder mit den Händen zu essen. Zum Glück brauchen wir das in Singapur viel seltener.

Es macht auch einen Riesenunterschied in der Lebensqualität, wenn man Fuß- und Radwege hat, die den Namen verdienen. Oder sogar Auto-freie Anlagen wie z.B. den Park am Gleisdreieck.
Mir ist es etwas schwerer gefallen mich wieder an den Rechtsverkehr zu gewöhnen als andersherum. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass es einfacher ist sich auf Bali zu orientieren, da überall so viel los ist. Dort würde sich auch niemand beschweren, wenn man eine zeit lang auf der falschen Seite fährt.

Wirklich gefreut hab ich mich auch, dass es Abends so lange hell ist! Auf Bali wurde es das ganze Jahr lang schlagartig um 7 Uhr dunkel, was lange, dunkle Abende bedeutet. Ich glaube, dass ich mehr Energie habe, wenn es länger hell ist.

Ganz praktisch war, dass die Wohnungen in Berlin nicht so voll mit Ameisen waren, wie unser Haus auf Bali. Wenn ich dort meine Teetasse oder etwas Süßes zu lange (wenige Stunden) habe stehen lassen, führte bald eine Ameisenstraße dorthin.

Wenn ich in der Hitze von Singapur zu Fuß irgendwo hin laufe, vermisse ich manchmal den Roller, weil das schon sehr praktisch war.
Ich glaube, einer der Unterschiede von Singapur zu Bali, der mir am Besten gefällt, ist dass ich wieder Leitungswasser trinken kann.

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Zwischenspiel in Bangkok

Letzte Woche bin ich mal eben nach Bangkok gezogen.
Der Grund: Ich habe Arbeit gefunden! Yeah!

Cooler Job oder?
An der frischen Luft (naja, mehr oder weniger frisch), flexible Arbeitszeiten, hohes Maß an Eigenverantwortung und die Möglichkeit jeden Tag einen Einfluss auf das Leben von Tausenden Menschen zu haben :-).

Nee, ich arbeite natürlich wieder als Softwareentwickler. Und eigentlich hatte ich mich auf eine Stelle in Singapur beworben aber mein jetziger Chef hat mir eine Stelle in Bangkok angeboten, da ich hier besser ins Team passen würde. Da Claire in Singapur bleiben muss, ist es zeitlich begrenzt und danach darf ich dann von dem Büro in Singapur weiterarbeiten. Und so bin ich jetzt für 6 Monate nach Thailand gezogen.

Als ich am Tag meiner Ankunft am Flughafen in die S-Bahn gestiegen und in die Stadt gefahren bin, war alles noch ganz normal. Aber als ich dann zu Fuß zu meinem AirBnb gelaufen bin, merkte ich sofort, dass ich wieder im richtigen Asien war. Es war viel chaotischer, dreckiger und lauter als Singapur.

Ich glaube, viele asiatische Millionenstädte sind nicht besonders hübsch aber Bangkok kommt mir immer besonders häßlich vor. Die Stadt ist auch extrem voll und ständig herrscht Verkehrschaos. Moloch trifft es ganz gut.
Das leckere Essen und die günstigen Preise machen das zum Teil wieder wett.

Es musste wieder viel organisiert werden in den letzten Wochen: neues Bankkonto, Visum für Singapur und Thailand, thailändische SIM-Karte, Flugtickets, neue Krankenversicherung, U-/S-Bahnkarten für Bangkok, AirBnb für den Anfang und eine normale Wohnung für die restliche Zeit.

Am Samstag werd ich dann in eine nette, kleine WG ziehen. Das Haus sieht nicht ganz so schick aber ähnlich aus.

Jetzt muss ich nur noch die Stadt erkunden, Freunde finden und Thailändisch lernen.

Der erste Eindruck von Singapur

Seit fast vier Wochen sind wir jetzt in Singapur. In der Zeit haben wir eine Wohnung gefunden und sind wenige Tage später dort eingezogen. Da die Wohnung unmöbliert ist, waren die ersten Tage etwas spartanisch. Hauptsächlich dank IKEA haben wir jetzt aber das Wichtigste zusammen. In der Zwischenzeit ist auch der Container mit unseren Sachen angekommen. Was nun noch fehlt ist WLAN zu hause und eine Arbeit für mich. Das 2-Tage Interview bei Quantcast habe ich leider nicht bestanden. So schreibe ich weiter Bewerbungen. Internet über das Telefon funktioniert in Singapur sehr gut, ist nur etwas teuer auf Dauer. Gestern wurde ein Glasfaserkabel in die Wohnung gelegt und in ein paar Tagen haben wir dann 1000 MBit/s! Um das voll nutzen zu können müsste ich eigentlich einen neuen Router kaufen.

Wir haben einen Backofen! Und die erste Tiefkühlpizza seit 2 Jahren. Hat auch nur Euro 6,50 gekostet :-). Das war noch bevor wir Besteck und Teller hatten :-).

Nebenbei haben wir schon ein bisschen Singapur erkundet. Wir waren Tanzen (Claire hat auch mit einem Tanzkurs angefangen) und im Dunkelrestaurant (ganz lustig), ich war Klettern und bei einem Comedy Event. Am Schwierigsten gestaltet sich bisher die Suche nach einem Fahrrad. Es gibt fast ausschließlich Mountainbikes, Rennräder oder Klappräder. Normale Straßenräder sind extrem selten. Die meisten sind auch viel zu klein für mich. In den Fahrradläden gibt es nur ein oder zwei Alibi-Räder, die mit Licht, Schutzblechen, Fahrradständer und Gepäckträger ausgestattet sind.

Der Tag an dem die 35 Kisten von uns und Claires Freundin angekommen sind.

Nimm was warmes mit, wir sitzen drinnen

Dem Wetterbericht nach ist es in Singapur genauso warm wie auf Bali. Aber da hier soviel klimatisiert ist, fühlt es sich oft kälter an und manchmal frieren wir. Anfangs, als wir im Hotel gewohnt haben, konnte man die Klimaanlage gar nicht vollständig abschalten und so trug ich oft lange Hose und Pulli. Im Hotelflur oder dem Restaurant war es wie im Kühlschrank. Umso größer war dann der Schock, wenn man nach draußen in die Hitze ging.
Wenn man irgendwo hingeht, sollte man auch voraus denken. Für die U-Bahn, Malls oder Restaurants ist es gut einen Pulli oder dünnes Hemd dabei zu haben.
Genauso sollte man immer darauf vorbereitet sein, dass es anfängt zu regnen. Es passiert oft, dass es plötzlich anfängt wie aus Eimern zu regnen. Wenn man da keinen Regenschirm oder eine Regenjacke dabei hat, bleibt nur sich unter zu stellen und zu warten bis es wieder aufhört. Wahrscheinlich sollte man einfach immer einen Regenschirm mitnehmen, der schützt nämlich auch vor der brennenden Sonne.

Mobilität

Generell ist der öffentliche Nahverkehr sehr praktisch. Es gibt mehrere U-Bahnlinien und sehr viele Buslinien, die hilfreicher und oft schneller sind, als ich erst dachte. Aber insgesamt fühlt es sich nicht so mobil an. Die 500 m zum Bus oder der eine Kilometer zur U-Bahn Station fühlen sich bei der Hitze sehr weit an. Durch die vielen Hochhäuser gibt es viele große, unübersichtliche Anlagen und Straßen, wo man als Fußgänger viel herumlaufen muss. Die Stadt scheint auch mehr für Autofahrer ausgelegt zu sein. An der Stelle von Ampeln gibt es oft Fußgängerbrücken, die total nervig sind. Zumindest gefühlt wird dadurch das Überqueren der Straße um ein Vielfaches weiter. Auf vielen Mittelstreifen stehen auch Zäune, die verhindern, dass man direkt über die Straße läuft. Es fühlt sich richtig befreiend an, wenn es dann doch mal eine Straße gibt, die man direkt überqueren kann.

Die Autofahrer gehen mir jetzt schon wegen ihres rücksichtslosen Verhaltens gegenüber Fußgängern auf die Nerven. Sie scheinen alle zu denken, dass ihnen die Straße alleine gehört, weil sie soviel Steuern für die Autos bezahlen (Die verschiedenen Steuern sind ein bisschen kompliziert. Beim Autokauf kommen einige Gebühren hinzu, z. B. der Erwerb einer 10 Jahre gültigen Erlaubnis um die Straßen benutzen zu dürfen. Wenn ich das richtig verstehe, kommt ein VW Golf A7 dadurch auf 90.000 Euro und da sind die jährliche Kfz-Steuer und die Versicherung noch nicht enthalten). Vielleicht haben hier Fußgänger auch nie Vorfahrt außer an Zebrastreifen.
Fahrradfahrern soll es auf der Straße nicht viel besser gehen. Bin schon mal gespannt. In der Straßenverkehrsordnung von Singapur sind lustige Handzeichen für Radfahrer vorgeschrieben um „Langsamer werden“ oder Anhalten anzuzeigen.

Nonya Laksa, Eco Bee Hon, Mee Siam, Hokkien Mee, Roti Prata, Steamboat – was soll das alles sein?

Was das Essen betrifft, hatte ich im Vorfeld immer gehört, dass Singapur ein Paradies für Feinschmecker sein soll und man so günstig und lecker in den Foodcourts essen könnte. Daher hat es mich anfangs etwas überrascht, als ich in den Foodcourts gegessen habe und das Essen sehr enttäuschend war.
Mittlerweile würde ich sagen, dass die Bandbreite beim Preis und der Qualität sehr groß ist. Die Foodcourts sind mit 2 – 6 Euro für ein Gericht wirklich sehr günstig aber es ist wie Kantinenessen: Bestenfalls ganz gut. Auch bei den Restaurants (6 – 30 Euro) gibt es viele nicht so gute und man ist gut beraten vorher die Bewertungen zu lesen oder nicht zu viel zu erwarten (Wie bei dem Gourmet-Burger, der seinen Namen überhaupt nicht verdient hat).
Es ist aber toll, wie groß die Auswahl an Restaurants aus den unterschiedlichsten Ländern ist. In unserer Gegend gibt es Indisch, Koreanisches BBQ, Chinesisch, Malaysisch, Thailändisch, Vietnamesisch, Japanisch … und soviele Gerichte, die ich noch nie gesehen habe.

Extrem leckere Dim Sum.

I no undastand-lah!

Obwohl in Singapur Englisch eine der Amtssprachen ist und alle Englisch können, hört man auf der Straße vor allem Mandarin, Hindi oder Malay.
Genau genommen sprechen viele auch kein Hochenglisch, sondern Singlisch, was für Singapur-Englisch steht. Das ist ein wilder Mix aus Englisch und den anderen Sprachen. Wir beide hatten schon Telefongespräche auf „Englisch“, wo wir am Ende keine Ahnung hatten, was derjenige eigentlich wollte.

Viele Schilder sind viersprachig.

Wohnen in Singapur: HDB oder Condo?

Wenn man eine Wohnung, sucht gibt es im wesentlichen zwei Optionen: HDBs und Condos.
HDBs (Housing and Development Board): sind staatlich subventionierte Hochhäuser, die etwas an Plattenbauten erinnern. Die Mieten sind günstig aber dafür sind die Wohnungen komisch geschnitten und einfach ausgestattet. Im Katong-Bezirk – wo wir wohnen – kostet eine 70 qm HDB Wohnung zwischen 700 und 1000 Euro monatlich.

Eine HDB-Anlage.

Condominium bedeutet eigentlich Eigentumswohnung bezeichnet aber neue, sehr moderne und gut ausgestattete (Hoch)Häuser. Da Condos so viel kosten, sind die Wohnungen oft sehr klein. Zur Ausstattung gehören typischerweise ein Pool, Whirpool, mehrere fest installierte Grills, ein Fitnessraum und Sicherheitspersonal. Zum Teil auch Spiel- oder Tennisplätze und Saunas, falls einem Singapur nicht heiß und feucht genug ist. 50 qm in einem Condo kosten meist 1600 Euro pro Monat und mehr.

Eine Freundin von Claire wohnt in den Bedok Residences. Die Wohnanlage ist auf einer Mall gebaut, die sich wiederum auf einer U-Bahn Station befindet. Mit der dazu gehörenden Pool- und Gartenlandschaft sieht es mehr wie eine Hotelanlage aus.

Wir wohnen in einem kleinen, recht günstigen Condo, das lediglich mit einem Pool ausgestattet it. Obwohl es nur 55 qm sind, kommt es mir – verglichen mit den anderen besichtigten Wohnungen – recht geräumig vor. Durch das weniger an Luxus und guter Lage bezahlen wir 660(!) Euro weniger im Monat als Claires Freundin.
Mit einem 2008er Baujahr ist unser Haus schon ziemlich alt. Außen ist es auch gar nicht mehr gelb gestrichen, wie es auf dem Foto zu sehen ist. Wir haben eine Wohnung in einem Condo von 1994 gesehen, wo es eine Bekanntmachung gab, dass der Condo verkauft worden ist. Der Makler erklärte uns dann, dass das bedeutet, dass in Kürze alle Mietverträge aufgelöst werden und das Haus abgerissen wird um ein neues zu bauen.

Ein paar Bilder von unserer Wohnung.

Generell habe ich den Eindruck, dass es in Singapur einerseits viele sehr wohlhabende Einwohner gibt und andererseits viele sehr einfach lebende. Der resultierende Unterschied im Lebensstandard scheint mir viel ausgeprägter zu sein als in Deutschland.
Die Wohlhabenden leben in modernen Luxusapartments mit noch viel höheren Mieten, fahren teure Autos und die ganzen Abgaben darauf, schicken ihre Kinder auf Privatschulen (Größenordnung von 1500 Euro pro Monat pro Kind), haben in der Wohnung lebende Haushaltshilfen, besuchen Restaurants und Bars (10 Euro für ein Bier ist normal).
Von den Armen fallen am Stärksten die Rentner und die biligen Arbeitskräfte aus Indien und Pakistan auf, die die ganze körperliche Arbeit verrichten. Sie leben dicht aufeinander in den HDBs, essen in Foodcourts, fahren klapprige Fahrräder oder Bus und schicken ihre Kinder auf die öffentlichen Schulen.

Schnelles Internet & effiziente Verwaltung

Wie in vielen entwickelten asiatischen Ländern sieht man die Einheimischen ständig mit dem Telefon vor dem Gesicht. Auf dem Weg von der Wohnung zum Bus, beim Warten auf den Bus und im Bus. Da High-Speed Internet hier überall (wirklich überall) verfügbar ist, finde ich das auch verständlich. Es macht überhaupt keinen Unterschied mehr, ob man das WLAN zu hause benutzt oder LTE/4G unterwegs. Meist ist das WLAN von Restaurants sogar langsamer als LTE/4G.
Entsprechend viel wird auch online erledigt. Für alles gibt es eine App:
ein Taxi bestellen (und trotzdem bekommt man zur Rush-Hour keins), einen Fahrer mit Lieferwagen mieten, Busrouten nachschlagen, eine Wohnung finden, gebrauchte Sachen kaufen und verkaufen, Ärzte und Krankenhäuser zu finden, es gibt sogar eine App mit der man die Stadtverwaltung benachrichtigen kann, wenn irgendwo Müll auf der Straße herumliegt. Einfach ein Foto davon machen und zusammen mit dem Standort abschicken.

Schon das zweite Restaurant in dem auf jedem Tisch ein iPad mit der Speisekarte liegt. Ich fand es aber sehr umständlich zu benutzen auch wenn es ganz praktisch sein kann, wenn man zum Bestellen nicht auf die Bedienung warten muss.

Überhaupt macht die Verwaltung in Singapur bisher einen sehr effizienten Eindruck. Für ein Arbeitsvisum reicht man alle erforderlichen Dokumente online ein und innerhalb von zwei Wochen wird es bearbeitet. Ein paar Lehrer haben davon erzählt, dass sie bei ihrem Besuch des hiesigen Äquivalent der Ausländerbehörde vor dem vereinbarten Termin schon fertig waren. In Berlin ist man froh, wenn man eine Wartemarke ergattern kann, indem man sich mehrere Stunden vor den Öffnungszeiten anstellt.

Es gibt auch eine Webseite, bei der man sich über aktuell aufgetretene Dengue-Fälle in der Nachbarschaft informieren kann (und wie hoch das Risiko zur Zeit ist). Völlig unvorstellbar auf Bali.

Zu guter Letzt will ich noch mit einem Vorurteil über Singapur aufräumen und zwar, dass Singapur so sauber sein soll. Verglichen mit anderen Teilen Asiens ist es natürlich sauberer aber das ist nicht besonders überraschend. Meines Erachtens sieht es nicht viel anders als Berlin oder München aus. Im Unterschied zu Berlin gibt es hier keine Graffitis und die U-Bahnen sind neuer und sauberer. Ich hatte überlegt, ob ich Fotos von Müll auf den Straßen Singapurs sammeln soll aber es gibt soviel davon, dass das zu einfach wäre.

Müll auf der Straße! Und das in Singapur! :-)

Um die Ecke von uns. Restaurierte Kolonialbauten mit netten Läden und guten Restaurants.

Lieber Stadt als Strand: Warum wir nicht länger auf Bali bleiben

Zwei Jahre Bali neigen sich dem Ende entgegen. Nachdem das erste Jahr vorbei war, war die meist gestellte Frage: Und dann? Was macht ihr danach?
Der einfache Teil der Antwort war, dass zwei Jahre Bali uns genug sind.

Wir merkten beide, dass wir Stadtmenschen sind. Auf Bali gibt es die Verkehrsprobleme einer Vorstadt aber nur die Möglichkeiten einer Kleinstadt. Die Salsa-Szene ist nur so lala, Klettern ist minimal, nur durch Zufall hab ich vor kurzem ein paar andere Jongleure gefunden und es gibt keine Strickgruppen für Claire. Da es überhaupt keine Tech- bzw. IT-Szene gab, fing ich selbst damit an Treffen zu organisieren. Natürlich kann man Bali nicht mit Berlin vergleichen aber es fühlt sich in vieler Hinsicht eingeschränkt an. Wir waren noch nie in einem Kino und nur ein einziges Mal bei einem Comdey-Abend. Andererseits gibt es auch Dinge, wofür Bali ideal ist wie z.B. Surfen, Tauchen, Massagen und Essen gehen.

Dazu kommt, dass es schwierig war unsere Leute zu finden. Der Mainstream der Expats sieht ungefähr folgendermassen aus (was die Indonesier in ihrer Freizeit machen, falls sie welche haben ist mir immer noch unklar): Die jungen Leute surfen und machen Party. Die Älteren interessieren sich für Yoga und Spiritualität. Die mit Familien müssen arbeiten und betreiben entweder Restaurants oder vermitteln Villas. Und dann gibt es noch ein paar, die von der scheinbaren Gesetzlosigkeit hier angezogen werden.
Nach und nach haben wir natürlich unsere Leute gefunden. Ich hab sogar einen Freund der Makler und Surfer ist :-).

Es gibt noch viele andere Faktoren, die bei unserer Entscheidung nicht länger auf Bali zu bleiben eine Rolle gespielt haben (später vielleicht mehr darüber).

Unser Alltag auf Bali

Das Allererste, was ich morgens mache, ist die Klimaanlage auszuschalten. Wir schlafen eigentlich immer mit Klimaanlage. Das ist ein Luxus, den wir uns gönnen, da es sich mit angenehm kalten 26 °C viel besser schläft (zusätzlich zu den zwei Klimaanlagen haben wir auch fünf Ventilatoren in dem Haus!). In den Wintermonaten (der Südhalbkugel) könnte man auch mit offenem Fenster schlafen aber das trauen wir uns nicht aus Angst vor Einbrechern. Unsere Fenster haben keine einbruchsichere Kippstellung. Sobald sie offen sind, kann man sehr leicht von außen reinkommen. Dazu kommt, dass die Einbruchsrate leider ziemlich hoch auf Bali ist. Die meisten Ausländer leben auch in großen Villas mit Pools, so dass sehr leicht zu erkennen ist, wo es etwas zu holen gibt. Während des letzten Jahres wurde bei vielen von unseren Freunden eingebrochen. Einer hatte mit sechs Einbrüchen in 10 Monaten extrem viel Pech. Manche haben auch Einbrecher bei der Rückkehr überrascht oder wurden sogar bestohlen während sie schliefen. Wir hatten bisher Glück. Aber deswegen bleiben nachts die Fenster zu. Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, haben wir einen 50 kg schweren Safe, der an der Wand befestigt ist, angeschafft. Dort schließen wir immer unsere Wertsachen und Laptops ein. Selbst wenn wir nur für eine halbe Stunde das Haus verlassen.

Ganz angenehm ist, dass man sich wenig Gedanken darum machen muss, ob es kälter oder wärmer geworden ist und ob man sich deswegen anders anziehen sollte. Ich kann jeden Tag kurze Hosen und T-Shirt tragen. Nur in Ausnahmen ziehe ich lange Hosen an, z.B. wenn ich zur Ausländerbehörde gehe oder tagsüber als Sonnenschutz und abends gegen Mücken. Socken und richtige Schuhe brauche ich nur selten. Als es im Wintermonat August kälter war, habe ich zum Rollerfahren abends einen Pulli getragen. Es ist erstaunlich wie unwichtig Wetterberichte hier sind. Außer „Es ist heiß heute“ spricht man auch nicht über das Wetter. Nur in der Regenzeit ist es wichtig immer Regenjacke und -hose dabei zu haben, da es oft überraschend regnet und innerhalb von einer Minute ist man dann klatschnass.

Die Wettervorhersage für diese Woche

Weniger schön ist dagegen, dass man unbedeckte Haut vor der Sonne und den Mücken schützen muss. Und zwar das ganze Jahr über. Auf Bali gibt es zwar kein Malaria mehr aber Dengue ist weit verbreitet. Die Zahl der Denguefälle in unserem Bekanntenkreis ist leider auch ziemlich hoch. Teilweise auch mit Behandlung im Krankenhaus. Und so reiben wir uns meistens gleich nach dem Duschen erst mit Sonnencreme und dann mit Soffel, dem Mückengift ein. An die Sonne hat sich unsere Haut etwas gewöhnt, so dass wir nicht immer oder weniger Sonnencreme brauchen. Dennoch benutze ich einmal am Tag Sonnencreme und ein bis zweimal am Tag Soffel. Gerade das Mückengift ist ziemlich lästig, da es in den Augen brennt, wenn man sie versehentlich anfasst oder in den Kratzern oder kleinen Wunden die man an den Armen und Beinen hat. Und in den Mund bekommen sollte man es auch nicht.

Die aktuelle Sammlung

Die Versorgung mit Wasser funktioniert auch ein bisschen anders hier. Wir bekommen unser Wasser von einem Brunnen mit Pumpe der hinter dem Haus steht. Das Grundwasser ist aber nicht trinkbar, deswegen muss ich vom Laden gegenüber alle paar Tage eine große 19l Wasserflasche holen. Gerade zu Beginn mussten wir immer daran denken nicht beim Duschen oder Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken.
Das mit dem Abwasser ist mir immer noch schleierhaft. Eindeutig ist nur das Wasser vom Küchenwaschbecken, das versickert einfach hinter dem Haus. Für die Toiletten scheint es entweder einen Tank zu geben, der dann ab und zu geleert werden müsste (noch nie jemand gesehen) oder es fließt in eine Grube und versickert dort langsam.

Unser Trinkwasserbehälter

Wir kochen mit Gas, was ganz praktisch ist. Einziger Nachteil ist nur, dass es natürlich keine Gasleitung zum Haus gibt. Statt dessen haben wir eine Gasflasche, die wir alle ein bis zwei Monate austauschen.
Beim Strom gibt es auch eine Besonderheit und zwar ist es ein Prepaid-System. Am Haus befindet sich ein Stromzähler, auf dem unser aktuelles Guthaben in Kilowattstunden angezeigt wird. Ungefähr einmal im Monat fahr ich dann zu einer Post oder einem Handyladen und kaufe neuen Strom :-). Ich erhalte dann einen Aufladecode, den ich am Zähler eingeben kann und zack ist das neue Guthaben da.

Viele Expats lassen diese Erledigungen von ihren Haushaltshilfen erledigen. Eine Vollzeithilfe kostet ungefähr 150$ im Monat. Die Absprachen sind sehr unterschiedlich aber meist bedeutet Vollzeit 6 mal die Woche für 3 bis 6 Stunden täglich. Zu den Aufgaben gehört dann putzen, abwaschen, kochen und einkaufen. Pool und Garten wird meistens von einem weiteren Angestellten übernommen. Wenn man Kinder hat noch eine Nanny. Gegebenenfalls auch noch ein Fahrer. Und ein Nachtwächter.
Wir haben auch eine Haushaltshilfe aber er kommt nur zweimal die Woche für jeweils anderthalb Stunden. Das ist ausreichend für uns.

Um wenigstens nachts Ruhe vor den Mücken zu haben schlafen wir immer unter einem Moskitonetz.

Wieder zurück in Bali

Seit den Sommerferien sind schon wieder einige Wochen vergangen und viel ist passiert. Deswegen mal ein paar Fotos.


Bin unter die Surfer gegangen :-).


So fahr ich dann zum Strand.


Sonnenaufgang auf dem Mount Batur Vulkan.


Das Kind von den Nachbarn kommt öfter mal zum Spielen bei uns vorbei. Vor kurzem hat sie damit angefangen unserer Bett zu machen.


Einmal hat sie auch beim Abwaschen mitgeholfen. Wir haben auch so viele aufregende Dinge in unserem Haus.


Der Bananenbaum vorher.


Die Bananenernte :-). Die Staude wiegt ca. 20 kg. Leider sind sie noch nicht ganz reif aber ich musste sie ernten, da der Baumstamm unter der Last zerbrochen ist.


Wir wissen schon gar nicht mehr, was wir mit den ganzen Papayas anfangen sollen. Sieben Bäume haben wir davon.


Zitronengras frisch aus dem Garten.


Tauchen auf Nusa Lembongan. Gibt wirklich sehr schöne Korallen und viele tolle Fische zu sehen.


Glasklares Wasser.


Gab ordentliche Wellen an dem Wochenende.


Mein T-Shirt ist schon ganz schön von der Sonne ausgeblichen.


Schon erstaunlich was für riesige Drachen die Einheimischen steigen lassen.