Von Warteschlangen und dem Wesen der Asiaten

Wenn von Menschen aus unterschiedlichen Ländern die Rede ist, spricht man gerne über deren Mentalität oder Temperament. Die Südländer sind so temperamentvoll, die Asiaten sehr schüchtern und so weiter. Ein Problem damit ist, dass es natürlich Ausnahmen gibt, ein Teil der Asiaten besitzen vermutlich ein ähnlich stürmisches Temperament wie ein durchschnittlicher Italiener.

Aber was dabei gar nicht berücksichtigt wird ist, wie situationsabhängig Verhalten ist. Das kann man am Besten mit ein paar Beispielen verdeutlichen. Verglichen mit Indonesien ist der Straßenverkehr in Singapur sehr zivilisiert. Verglichen mit Deutschland sind die Autofahrer aber keineswegs höflich und zurückhaltend, sondern sehr aggressiv und rücksichtslos. Wenig später stehen die gleichen Menschen ganz friedlich in der Schlange des Restaurants und warten geduldig auf einen Tisch.
In dem Moment, in dem sich die Türen der U-Bahn öffnen, gibt es immer ein paar, die hinein stürmen um einen der wenigen Sitzplätze zu ergattern. Gleichzeitig bleiben
die Sitzplätze für Behinderte/Alte/Schwangere aber frei.

Während man gemeinhin sagt, dass man in Asien sehr vorsichtig mit Kritik umgehen und in einem Streit nicht laut werden soll, so ist es ganz normal, durch das ganze Lokal zu schreien, wenn man noch etwas bestellen will. In Deutschland würde man wohl kaum als zurückhaltend gelten, wenn man als Handwerker nach der Wohnungsmiete und dem Gehalt fragt oder wenn flüchtige Bekannte nach Gewicht und Alter fragen und sagen, dass man ganz schön dick ist. Auf der anderen Seite habe ich gehört, dass man in Singapur selbst mit guten Freunden nicht über Religion und Politik spricht, aus Angst den anderen vor den Kopf zu stoßen.
Es läßt sich auch schwer mit dem Bild der friedlichen, religiösen Balinesen vereinen, dass ertappte Diebe an Ort und Stelle von einem Mob zu Tode geprügelt werden.

Aber kommen wir noch mal auf das Schlange stehen zurück. In Indonesien gibt es Situationen, in denen es mit dem Anstehen ganz gut klappt. In der Regel bildet sich eine große Traube, wo man darum kämpfen muss, dass man irgendwann an der Reihe ist. Ganz anders in Singapur. Wenn es etwas gibt, was Singapurer gut können, dann Schlange stehen. Ordentliche Schlagen von geduldigen Singapurern sieht man eigentlich überall. Alle Restaurants und Imbisse besitzen Schilder, die anzeigen, wo die Schlange zu starten hat und das wird auch befolgt. Bei der Post trifft man auf die Markierungen für die verschiedenen Schlangen auf dem Boden, lange bevor man die Schalter sehen kann.

Ich habe das Gefühl, dass sie ein bisschen stolz darauf sind, wie hübsch die Schlangen sind, die sie bilden. Als ich mal ein Problem mit meiner SIM-Karte hatte, musste ich zum Singtel-Laden (das Pendant zur Telekom). Es war etwas voll und als die Lösung nicht funktionierte, ging ich zurück zum Schalter, wodurch es noch etwas unübersichtlicher wurde.
Eine der Angestellten sagte dann: „Who’s next?“ (Wer ist der nächste?)
Und fügte etwas genervt hinzu: „I have to ask because there is more than one queue.“ (Ich muss fragen, weil es mehr als eine Schlange gibt.)
Daraufhin war einer der Schlangestehenden so richtig beleidigt und schimpfte die nächsten Minuten, dass es doch klar wäre wo die Schlange sei, sie solle nur richtig hinkucken, es gäbe natürlich nur eine Schlange und so weiter.

Was gibt es für widersprüchliche Verhaltensweisen die ihr entdeckt habt? Oder in welchen Situationen sich Menschen ganz entgegen dem Klischee verhalten?

Kreatives Englisch in Asien

In (Ost-/Südost-)Asien trifft man häufig auf einen – sagen wir mal – kreativen oder unbedarften Gebrauch der englischen Sprache. Zum Beispiel sieht man regelmässig Menschen, die Hemden tragen, bei denen die englische Aufschrift etwas fehl am Platz wirkt. Mir drängt sich dann immer die Frage auf, ob jene Menschen überhaupt verstehen, womit sie da herumlaufen. Aber auch im Stadtbild findet man immer wieder lustiges Englisch. Natürlich gibt es das nicht nur hier, sondern auch in Deutschland. Hier mal ein paar Beispiele aus Singapur:

Große Mädchen Küche? Was soll das sein? Meistens beschreibt man ja die Küche anhand des Essens oder des Herkunftlandes aber nicht nach denen, die es kochen?

„Wallet friendly“ also Geldbörsenfreundlich ist eine schöne Umschreibung für billig. Trifft möglicherweise genau den Nerv der sparsamen Singapurer.

In diesem Restaurant schreibt man die Bestellung selbst auf einen Zettel, den man dann der Bedienung gibt. Bei dem Bestellformular – dem order sheet – ist aber eine Kleinigkeit schief gelaufen.

Die Bierbauch-Bar. Das wirkt nicht so richtig anziehend auf mich. Es ist überhaupt auch etwas unklar, wie das gemeint ist. Wollen sie bierbäuchige Männer ansprechen oder kann man dort vielleicht besonders schöne Bierbäuche sehen. Beer belly dance?

Ein super Name natürlich. Aber ich glaube, da gibt es schon etwas anderes, was so heißt.

Erstgeborene Eier. Das erschließt sich mir nun gar nicht.

Singapur ist wohl auch das einzige Land der Welt, wo die Happy Hour „1 for 1“ heißt. Da bekommt man dann 2 Getränke und bezahlt nur für eins.