Linktipps

Indonesien will damit aufhören Maids in andere Länder zu exportieren, was in Singapur natürlich nicht gern gesehen wird.

Vor einigen Wochen ging es groß durch die Medien in Singapur, dass die verschiedenen Busgesellschaften die Gehälter für die Busfahrer erhöhen. So verdienen Singapurische Busfahrer nun zwischen ~2000 S$ und 3500 S$ (abgesehen von Überstunden ist mir bisschen unklar warum Busfahrer ein variables Gehalt haben).
Nicht geändert hat sich aber, dass Busfahrer nach ihrer Nationalität bezahlt werden. Malayen bekommen weniger als Einheimische und Chinesen am Wenigsten (ca. 1400 S$ in 2012). Als vor ein paar Jahren chinesische Busfahrer dagegen – verbotenerweise – auf die Straße gegangen sind, wurden sie erst ins Gefängnis gesteckt und dann abgeschoben.

Konservative Organisationen und Medien sind immer gut darin sich angsteinflössende aber falsche Behauptungen auszudenken. In Indonesien wird LGBT mit dem folgenden in Verbindung gebracht:

terrorism, connecting it with drugs and arguing that it weakens national masculinity, destroys morality, is contrary to the idea of the nation [..], promotes seks bebas (‘free sex’), exacerbates the HIV/AIDS epidemic and is connected to the sexual abuse of children

Um Ordnung und Moral wiederherzustellen wurden unter anderem Smilies in einer Chat-App verboten, auf denen zwei Frauen bzw. zwei Männer abgebildet waren.

Schlimmer als LGBT scheinen in Indonesien nur Atheisten zu sein.

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Meinungsfreiheit und Zensur in Singapur

Ein spannendes Puzzleteil in dem komplexen Gebilde, das ein Land darstellt, ist die Meinungsfreiheit und die Zensur. Natürlich gibt es auch in Deutschland Grenzen der Meinungsfreiheit und Medienerzeugnisse, die verboten sind. Interessant ist aber welche Themen betroffen sind und wo die Grenze gezogen wird.

Bei den Reportern ohne Grenzen landet Singapur auf Platz 154 von 180 und damit hinter der Türkei, die auf Platz 151 ist. Deutschland ist immerhin auf Platz 16.

In Singapur werden Filme komplett verboten wenn:

the content of the film undermines national interest or erodes the moral fabric of society. [..] denigrate any race or religion, or undermine national interest, language that denigrates religion or is religiously profane, real sexual activities [..], explicit promotion and normalisation of homosexual lifestyle, [..] encouraging drug and substance abuse and [..] extreme violence or cruelty.

Also wenn sie gegen nationale Interessen oder gesellschaftsgefährdend sind, sich negativ über Rassen oder Religionen äußern oder Pornographie, Homosexualität, Drogen und extreme Gewalt enthalten.

Als Grund wird genannt:

censorship of political, racial and religious issues to a certain extent is necessary to avoid upsetting the delicate balance of Singapore’s multi-racial society

Das klingt ein bisschen als würde der Staat seine Bürger beschützen, damit sie nicht mit anderen Meinungen oder der bösen Welt in Berührung kommen (einige Singapurer sagen auch, dass der Staat sie wie kleine Kinder behandelt). Fairerweise muss man sagen, dass es Ende der sechziger Jahre in Singapur rassistische motivierte Unruhen gab.
Probleme zu ignorieren und Kritik nicht zu äußern gehört in einigen asiatischen Ländern auch zur Mentalität (Gesicht wahren etc).

Politische Filme sind generell nicht erlaubt und müssen explizit genehmigt werden.


Dieser harmlose Werbespot, der sich über die Regierungspartei lustig macht, fällt in diese Kategorie – die Media Development Authority (MDA) / Zensurbehörde hat aber ein Auge zugedrückt.
Singapore Rebel, ein Dokumentarfilm über den Vorsitzenden der Oppositionspartei SDP, war für 5 Jahre verboten.


Dieses Musikvideo von Jolin Tsai aus Taiwan, was die Benachteiligung bzw. Probleme durch die Nicht-Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften thematisiert darf nicht im Fernsehen und Radio in Singapur gespielt werden, da Homosexualität in Singapur nicht akzeptiert ist. Selbst Katy Perry mit „I kissed a girl“ ist nicht erlaubt.

Blogger oder Youtuber werden regelmäßig in Singapur zu hohen Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt, z.B. wenn sie die Regierung kritisieren oder Missstände thematisieren.
Sobald Journalisten oder Oppositionspolitiker auch nur die Vermutung äußern, dass Regierungsmitglieder bestechlich wären oder Geld veruntreut hätten, werden diese sofort in Grund und Boden geklagt und typischerweise zu Entschädigungszahlungen zwischen 1.000 und 30.000 $ verurteilt. Der Politiker Chee Soon Juan wurde wiederholt verklagt und in einem Fall zu 500.000 $S Dollar.
In der Berichterstattung zu solchen Fällen findet sich nie ein Hinweis, ob überhaupt der Frage nachgegangen wurde, ob diese Vermutungen vielleicht gerechtfertigt sind.

Der 16 jährige Amos Yee landete wegen eines Youtube Videos, in dem er den ehemaligen Präsidenten Lee Kuan Yew kritisierte, für 55 Tage in Untersuchungshaft. Das Video ist zwar etwas vulgär aber es enthält durchaus valide Kritik z.B. dass Singapur auch eine hohe Armutsrate, einen der höchsten Gini-Koeffizienten (Maß für soziale Ungleichheit) und die höchsten Politikergehälter weltweit besitzt.

Madonna musste 2016 einige Lieder wegen Gotteslästerung von ihrem Konzert streichen um die Erlaubnis zu bekommen in Singapur auftreten zu dürfen.

Mehr unter:
http://singaporerebel.blogspot.sg/
https://en.wikipedia.org/wiki/Censorship_in_Singapore
https://en.wikipedia.org/wiki/Media_censorship_in_Singapore

Wie sich die Perspektive verändert

Als ich letzten Sommer wieder in Berlin war, gab es ein paar Kleinigkeiten über die ich mich sehr gefreut habe. Zum Beispiel war es eine schöne Abwechslung mal wieder kuschelige Pullis und warme Socken anziehen zu können. Kalte Füße zu bekommen habe ich dagegen überhaupt nicht vermisst. Wegen der Temperatur muss man in den Tropen nie den Wetterbericht anschauen. T-Shirt und kurze Hosen gehen das ganze Jahr lang. Wichtiger ist, ob man sich längere Zeit in einem klimatisierten Raum wie einem Restaurant oder Kino aufhalten wird, weil dann braucht man manchmal was zum Überziehen.

Im Sommer bin ich viel mit dem Fahrrad herum gefahren und als es mal steil bergab ging, hatte ich richtig Angst vom Rad zu fallen. Ich hatte mich so ans Rollerfahren gewöhnt, wo man etwas niedriger (und stabiler) sitzt. Außerdem hab ich die ganze Zeit versucht in den Rückspiegel zu schauen.

Besonders erleichternd war, dass ich mich nicht mehr zwei mal täglich mit giftiger Mückencreme einreiben musste. DEET-haltige Creme ist sehr unangenehm, da man 1 bis 2 Stunden aufpassen muss, sich nicht in die Augen oder an die Nase zu fassen (brennt sonst) oder mit den Händen zu essen. Zum Glück brauchen wir das in Singapur viel seltener.

Es macht auch einen Riesenunterschied in der Lebensqualität, wenn man Fuß- und Radwege hat, die den Namen verdienen. Oder sogar Auto-freie Anlagen wie z.B. den Park am Gleisdreieck.
Mir ist es etwas schwerer gefallen mich wieder an den Rechtsverkehr zu gewöhnen als andersherum. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass es einfacher ist sich auf Bali zu orientieren, da überall so viel los ist. Dort würde sich auch niemand beschweren, wenn man eine zeit lang auf der falschen Seite fährt.

Wirklich gefreut hab ich mich auch, dass es Abends so lange hell ist! Auf Bali wurde es das ganze Jahr lang schlagartig um 7 Uhr dunkel, was lange, dunkle Abende bedeutet. Ich glaube, dass ich mehr Energie habe, wenn es länger hell ist.

Ganz praktisch war, dass die Wohnungen in Berlin nicht so voll mit Ameisen waren, wie unser Haus auf Bali. Wenn ich dort meine Teetasse oder etwas Süßes zu lange (wenige Stunden) habe stehen lassen, führte bald eine Ameisenstraße dorthin.

Wenn ich in der Hitze von Singapur zu Fuß irgendwo hin laufe, vermisse ich manchmal den Roller, weil das schon sehr praktisch war.
Ich glaube, einer der Unterschiede von Singapur zu Bali, der mir am Besten gefällt, ist dass ich wieder Leitungswasser trinken kann.

Linktipps Indonesien und Singapur

Eine kurze Dokumentation über Hausmädchen in Singapur.
Besonders treffend finde ich folgenden Teil eines Interviews mit einer Frau die in einer Hausmädchen-Vermittlung arbeitet:

Interviewer: In a country, where law-abidingness is such a virtue as in Singapore, not having a law for a system that is so essentially part of the whole lifestyle, is very … strange.

Agency worker: Yes, because „domestic helper“ is not covered … in our labour law.

Why Indonesia is the best
Sacha hat ein neues Video über die Vorteile als Ausländer in Indonesien gemacht. Es ist überraschend wie einfach man ihren Respekt gewinnen kann :-).
Und auch das mit den niedrigen Erwartungen stimmt – irgendwann ist man so weit, dass man sich freut, wenn irgendwann jemand kommt und das Problem löst egal auf welche Weise.

Shit Kiasu Singaporeans Say
Kiasu bedeutet soviel wie die Angst davor etwas zu verpassen. In Singapur ist das vor allem die Jagd nach Rabatten und Sonderangeboten. Wenn man was umsonst bekommen kann, dann ist das natürlich noch besser.

Indomart cooking
Noch ein Video von Sacha. Bisschen länger und teilweise nur in indonesisch aber total komisch für alle, die mal dort gelebt haben. In den Mini-Märkten wie dem Indomart gibt es nichts brauchbares um zu Kochen. In dem Video veranstalten sie einen Kochwettbewerb fast ausschliesslich mit Zutaten vom Indomart. Am Ende muss ihr Gärtner oder Hausmeister es essen und bewerten :-).

Hausmädchen in Singapur

Dienstboten oder Hausmädchen sind in Deutschland ein Relikt aus der Vergangenheit. Manchmal trifft man auf sie in alten Büchern oder findet einen Dienstboteneingang in einer Berliner-Altbauwohnung vor. Am Ähnlichsten zum Hausmädchen ist noch das Au-pair, bei dem Jugendliche im Ausland bei einer anderen Familie leben und bei der Kinderbetreuung helfen um dort eine andere Sprache und Kultur kennenzulernen.
Dagegen sind in Singapur Hausmädchen so beliebt und verbreitet wie in Europa vor 100 Jahren. Leider unter vergleichbar schlechten Bedingungen wie damals.

Hausmädchen (engl. Maids) oder Foreign Domestic Worker – wie sie offiziell in Singapur heißen – sind weit verbreitet und sehr sichtbar im Alltag. Laut einem Zeitungsartikel arbeiten rund 230.000 Hausmädchen in Singapur. Eine realistische Schätzung ist wahrscheinlich, dass 10% aller Haushalte ein Hausmädchen anstellen (bei den 1,2 Millionen Haushalten von SingStat fehlen vermutlich die Expat-Haushalte). Nach Claires Einschätzung hat jedes Kind von ihrer Schule ein Hausmädchen in der Familie.
Man kann sie meistens daran erkennen, wenn die in der Regel dunkelhäutigen Frauen, mit den Hunden Gassi gehen, die Autos waschen, schwer beladen vom Einkaufen zurückkommen oder die Kinder von der Schule abholen.

Die Vermittlungs-Agenturen

Ich bin zum ersten Mal auf das Thema aufmerksam geworden, als ich durch ein Einkaufszentrum in der Nähe von Claires Schule ging, das voller Agenturen für Hausmädchen war. Es gab bestimmt 10 der 15 solcher Agenturen, von denen die meisten auf ein Herkunftsland spezialisiert waren: „Indonesian Maids“, „Myanmar Maids“, „Philippines“, „Best Maids from Malaysia“. Die Läden erinnerten an Reisebüros aber es gab noch eine Reihe von Stühlen, auf denen Frauen mit identischen T-Shirts saßen und warteten. Es war ein ziemlich komisches Gefühl durch diese Mall zu laufen. Als kann man sich dort, wie in einem Bordell, eine Frau aussuchen. Oder wie Sklaven, die auf ihren neuen Besitzer warten.

Bei den Agenturen kann man sich Hausmädchen nach Nationalität, Alter, Religion, Familienstand, Fähigkeiten und mehr aussuchen. Zu den wichtigsten Fähigkeiten gehören: Kinderbetreuung, Kochen, Haushalt und Altenpflege. Viele Frauen arbeiten schon lange als Hausmädchen und waren auch in Ländern wie Saudi Arabien, Dubai oder Malaysia tätig. Viele sind auch verheiratet und haben selbst Kinder in ihrer Heimat. Das muss schwer sein, wenn man die eigenen Kinder zurück lässt, um in einem anderen Land für fremde Kinder zu sorgen.

Die Arbeitsbedingungen in der Theorie

Als Hausmädchen verdient man normalerweise zwischen 400 und 700 Singapur Dollar im Monat (260 bis 450 Euro). Sie haben Anspruch auf einen Schlafplatz in der Wohnung ihres Arbeitgebers und drei Mahlzeiten am Tag. Zusätzlich bezahlt der Arbeitgeber für eine Krankenversicherung und alle anfallenden Arztrechnungen. Sie müssen sechs Tage pro Woche arbeiten und haben einen Tag frei. Laut Gesetz müssen sie ihren Arbeitgebern für 16 Stunden täglich zur Verfügung stehen, z.B. von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr nachts.

Für Hausmädchen und Arbeitgeber gelten strenge Regeln. Als Hausmädchen bekommt man ein spezielles Visum, dafür muss man weiblich sein, zwischen 23 und 50 Jahre alt und aus bestimmten Ländern kommen wie z.B. Philippinen, Thailand, Indonesien, Malaysia. Wer als Hausmädchen schwanger wird oder an einer Geschlechtskrankheit erkrankt, wird sofort abgeschoben.

Es gibt noch viele sehr detaillierte Beschreibungen, z.B. dass man ihr mindestens eine Matratze, ein Kissen und eine Decke zur Verfügung stellen muss. Oder dass ihr Zimmer von Regen, Sonne und Wind geschützt sein muss (Balkon geht wohl nicht). Ich konnte nichts darüber finden, ob die Bombshelter (wie ein dunkler, begehbarer Wandschrank) mit ihren ca. 2 mal 2 Meter als Zimmer für ein Hausmädchen erlaubt oder verboten sind aber es ist wohl üblich, das sie im Bombshelter schlafen.

Wenn man zum Ersten mal ein Hausmädchen einstellen will, muss man sogar Kurse besuchen um über die Rechte und Pflichten informiert zu werden (nicht ganz verkehrt bei soviel Gesetzen). Es gibt aber auch Dokumente in denen erklärt wird, dass die Hausmädchen ihre Aufgaben besser erfüllen können, wenn man ihnen ausreichend zu essen gibt oder dass sie länger bei ihrem Arbeitgeber bleiben würden, wenn man sie mit Respekt behandelt.

Die traurige Realität

Die Bedingungen unter denen viele Hausmädchen leben und arbeiten sind unmenschlich. Es gibt Fälle, in denen die Frauen von ihren Arbeitgebern verprügelt, zu Tode gehungert und ständig beschimpft und schikaniert werden. Dagegen sind die Fälle, in denen ihnen der wöchentliche Ruhetag verwehrt wird, noch harmlos. Einige Arbeitgeber installieren sogar Überwachungskameras in der eigenen Wohnung um die Hausmädchen damit zu überwachen und nehmen ihnen Telefon und Pass weg. Dadurch, dass die Arbeitgeber die Hausmädchen jederzeit ohne besondere Gründe feuern können (was in den meisten Fällen wohl die Abschiebung bedeutet), ertragen viele die schlechte Behandlung und trauen sich auch nicht anderweitig Unterstützung zu suchen.

Einem Hausmädchen aus den Philippinen wurde das Telefon weggenommen, jeglicher Kontakt zu ihrer Familie und anderen Menschen untersagt, ihr Gehalt einbehalten und sie auf 29 kg ausgehungert (dreimal täglich Instantnudeln mit etwas Toast).

Eine andere wurde von ihren Arbeitgebern geschlagen, wenn sie Fehler machte oder als sie angeblich Essen aus dem Kühlschrank gestohlen hatte.

Im letzten Jahr gab es auch mehrere Selbstmordversuche von Hausmädchen aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen.

Sehr traurig ist der Fall, wo ein psychisch krankes Hausmädchen die Schwiegermutter ihrer Arbeitgeberin im Schlaf erstickte, um sich bei ihrer Arbeitgeberin beliebt zu machen. Vor der Tat wurde das Hausmädchen ständig erniedrigt, des Klauens verdächtigt und von ihrer Arbeitgeberin als wildes Schwein bezeichnet (eine der schlimmsten Beleidigungen für einen muslimische Frau).

Es ist schwer zu sagen, wie weit verbreitet diese Bedingungen wirklich sind. Laut dem Arbeitsamt wurden bereits mehr als 2000 Arbeitgeber für die schlechte Behandlung ihrer Hausmädchen bestraft. Vermutlich werden die meisten Hausmädchen anständig behandelt. Aber diese Extremfälle zeigen, dass es noch einer langer Weg sein wird, bis Singapur mit seinen billigen Arbeitskräften wirklich fair umgeht.

Die andere Seite

Bei meinen Recherchen bin ich auf ein Blog gestossen, in dem eine Frau über ihre negativen Erfahrungen mit Hausmädchen schreibt. Ich kann auch ein kleines bisschen nachvollziehen, dass es sehr frustrierend sein kann ein Hausmädchen anzustellen und zu trainieren, schließlich hatten wir auf Bali selber für zwei Jahre einen Putzmann. Dennoch ist wirklich erschreckend, was sie und andere Arbeitgeber für ein Bild von Hausmädchen haben.

Die Hausmädchen wären alle faule, arbeitsscheue Prinzessinnen, denen es viel zu gut geht. Sie selbst wäre das eigentliche Opfer, da sie für alles bezahlen muss und die Regulierungen des Arbeitsamts (MOM – Ministry of Manpower) die Hausmädchen schützen und nicht die Arbeitgeber. Folglich hat sie zur Kontrolle Überwachungskameras installiert, in ihren Hausregeln sind keine Nickerchen erlaubt, es darf nicht länger als 10 Minuten geduscht, die Waschmaschine darf nicht für die eigene Wäsche benutzt werden, das private Telefon händigt sie ihrem Hausmädchen erst um 7 abends aus und dergleichen mehr.

Von Warteschlangen und dem Wesen der Asiaten

Wenn von Menschen aus unterschiedlichen Ländern die Rede ist, spricht man gerne über deren Mentalität oder Temperament. Die Südländer sind so temperamentvoll, die Asiaten sehr schüchtern und so weiter. Ein Problem damit ist, dass es natürlich Ausnahmen gibt, ein Teil der Asiaten besitzen vermutlich ein ähnlich stürmisches Temperament wie ein durchschnittlicher Italiener.

Aber was dabei gar nicht berücksichtigt wird ist, wie situationsabhängig Verhalten ist. Das kann man am Besten mit ein paar Beispielen verdeutlichen. Verglichen mit Indonesien ist der Straßenverkehr in Singapur sehr zivilisiert. Verglichen mit Deutschland sind die Autofahrer aber keineswegs höflich und zurückhaltend, sondern sehr aggressiv und rücksichtslos. Wenig später stehen die gleichen Menschen ganz friedlich in der Schlange des Restaurants und warten geduldig auf einen Tisch.
In dem Moment, in dem sich die Türen der U-Bahn öffnen, gibt es immer ein paar, die hinein stürmen um einen der wenigen Sitzplätze zu ergattern. Gleichzeitig bleiben
die Sitzplätze für Behinderte/Alte/Schwangere aber frei.

Während man gemeinhin sagt, dass man in Asien sehr vorsichtig mit Kritik umgehen und in einem Streit nicht laut werden soll, so ist es ganz normal, durch das ganze Lokal zu schreien, wenn man noch etwas bestellen will. In Deutschland würde man wohl kaum als zurückhaltend gelten, wenn man als Handwerker nach der Wohnungsmiete und dem Gehalt fragt oder wenn flüchtige Bekannte nach Gewicht und Alter fragen und sagen, dass man ganz schön dick ist. Auf der anderen Seite habe ich gehört, dass man in Singapur selbst mit guten Freunden nicht über Religion und Politik spricht, aus Angst den anderen vor den Kopf zu stoßen.
Es läßt sich auch schwer mit dem Bild der friedlichen, religiösen Balinesen vereinen, dass ertappte Diebe an Ort und Stelle von einem Mob zu Tode geprügelt werden.

Aber kommen wir noch mal auf das Schlange stehen zurück. In Indonesien gibt es Situationen, in denen es mit dem Anstehen ganz gut klappt. In der Regel bildet sich eine große Traube, wo man darum kämpfen muss, dass man irgendwann an der Reihe ist. Ganz anders in Singapur. Wenn es etwas gibt, was Singapurer gut können, dann Schlange stehen. Ordentliche Schlagen von geduldigen Singapurern sieht man eigentlich überall. Alle Restaurants und Imbisse besitzen Schilder, die anzeigen, wo die Schlange zu starten hat und das wird auch befolgt. Bei der Post trifft man auf die Markierungen für die verschiedenen Schlangen auf dem Boden, lange bevor man die Schalter sehen kann.

Ich habe das Gefühl, dass sie ein bisschen stolz darauf sind, wie hübsch die Schlangen sind, die sie bilden. Als ich mal ein Problem mit meiner SIM-Karte hatte, musste ich zum Singtel-Laden (das Pendant zur Telekom). Es war etwas voll und als die Lösung nicht funktionierte, ging ich zurück zum Schalter, wodurch es noch etwas unübersichtlicher wurde.
Eine der Angestellten sagte dann: „Who’s next?“ (Wer ist der nächste?)
Und fügte etwas genervt hinzu: „I have to ask because there is more than one queue.“ (Ich muss fragen, weil es mehr als eine Schlange gibt.)
Daraufhin war einer der Schlangestehenden so richtig beleidigt und schimpfte die nächsten Minuten, dass es doch klar wäre wo die Schlange sei, sie solle nur richtig hinkucken, es gäbe natürlich nur eine Schlange und so weiter.

Was gibt es für widersprüchliche Verhaltensweisen die ihr entdeckt habt? Oder in welchen Situationen sich Menschen ganz entgegen dem Klischee verhalten?

Kreatives Englisch in Asien

In (Ost-/Südost-)Asien trifft man häufig auf einen – sagen wir mal – kreativen oder unbedarften Gebrauch der englischen Sprache. Zum Beispiel sieht man regelmässig Menschen, die Hemden tragen, bei denen die englische Aufschrift etwas fehl am Platz wirkt. Mir drängt sich dann immer die Frage auf, ob jene Menschen überhaupt verstehen, womit sie da herumlaufen. Aber auch im Stadtbild findet man immer wieder lustiges Englisch. Natürlich gibt es das nicht nur hier, sondern auch in Deutschland. Hier mal ein paar Beispiele aus Singapur:

Große Mädchen Küche? Was soll das sein? Meistens beschreibt man ja die Küche anhand des Essens oder des Herkunftlandes aber nicht nach denen, die es kochen?

„Wallet friendly“ also Geldbörsenfreundlich ist eine schöne Umschreibung für billig. Trifft möglicherweise genau den Nerv der sparsamen Singapurer.

In diesem Restaurant schreibt man die Bestellung selbst auf einen Zettel, den man dann der Bedienung gibt. Bei dem Bestellformular – dem order sheet – ist aber eine Kleinigkeit schief gelaufen.

Die Bierbauch-Bar. Das wirkt nicht so richtig anziehend auf mich. Es ist überhaupt auch etwas unklar, wie das gemeint ist. Wollen sie bierbäuchige Männer ansprechen oder kann man dort vielleicht besonders schöne Bierbäuche sehen. Beer belly dance?

Ein super Name natürlich. Aber ich glaube, da gibt es schon etwas anderes, was so heißt.

Erstgeborene Eier. Das erschließt sich mir nun gar nicht.

Singapur ist wohl auch das einzige Land der Welt, wo die Happy Hour „1 for 1“ heißt. Da bekommt man dann 2 Getränke und bezahlt nur für eins.