Die Sprache: Bahasa Indonesia

Wenn wir vor unserer Abfahrt gefragt wurden, welche Sprache man eigentlich auf Bali spricht, haben wir immer geantwortet man spräche Indonesisch. Das ist allerdings, wie wir – seitdem wir auf Bali sind – herausgefunden haben, nur die halbe Wahrheit. Es gibt noch eine weitere, ganz eigene Sprache, die nur hier auf Bali gesprochen wird, nämlich Balinesisch.

Indonesisch ist erst seit der Unabhängigkeit Indonesiens, die im Jahre 1945 errungen wurde, die offizielle Landessprache. Indonesisch ist eine Mischung aus verschiedenen Sprachen, basiert aber größtenteils auf Malayu kuno, einer Handelssprache, die schon seit vielen Hundert Jahren im gesamten Archipel gesprochen wurde. Eigentlich alle Inseln Indonesiens besitzen ihre eigene Sprache (es werden über 250 Sprachen in Indonesien gesprochen). Indonesisch ist in der Regel die erste Fremdsprache, die man ab der ersten Klasse in der Schule lernt.
Doch wahrscheinlich kommt man selbst auf Bali nicht weit mit Balinesisch, da es hier, aufgrund des hohen Bedarfes an Arbeitskräften durch den Tourismus, viele indonesische Einwanderer z.B. von Java gibt. Und mit Indonesisch kann man sich nicht nur in ganz Indonesien verständigen, sondern auch in Malaysia, da sich Indonesisch und Malaiisch zueinander verhalten wie Schwedisch und Norwegisch, d.h. Indonesier können Malaien verstehen und umgekehrt.

So lernen wir also Indonesisch. Mit Englisch kommt man auch halbwegs zurecht. Besonders in den touristischen Regionen oder den touristischen Angeboten sprechen viele etwas Englisch, und bei vielen alltäglichen Aktivitäten wie Essen gehen und Einkaufen ist die notwendige Kommunikation ja auch nicht so kompliziert. Ganz viele Einheimische, besonders auf den Märkten und den Geschäften und Restaurants für Einheimische, wo ich ja am Liebsten hingehe, sprechen überhaupt kein Englisch. Und mit denen, die etwas Englisch können, stößt man sehr schnell an ihre sprachlichen Grenzen, wenn es auch nur ein bisschen komplizierter bzw. weniger leicht erratbar wird. So hat es bestimmt eine Viertelstunde gedauert bis ich unserer Putzhilfe verständlich machen konnte, dass er dreimal die Woche und nicht jeden dritten Tag kommen soll. Überhaupt waren wir schon in einigen frustrierenden Situationen, die durch die Sprachbarriere zustande gekommen sind. Und das, obwohl ich auf meinem Telefon immer ein Wörterbuch und Google Translate zu Verfügung habe und auch oft einsetze.

Wie ist Indonesisch als Sprache? Anders. Ganz anders. Indonesisch gehört zu den malaiisch-polynesischen Sprachen, ist also mit nichts verwandt, was wir kennen. Ab und zu entdeckt man lustigerweise Wörter aus dem Arabischen oder Niederländischen. Immerhin schreibt man Indonesisch mit lateinischen Schriftzeichen – wir müssen also kein neues Alphabet lernen und können schonmal alles lesen. Zum Glück ist es auch keine tonale Sprache wie Chinesisch oder Thailändisch. Für Deutsche hat Indonesisch eine ziemlich einfache Aussprache und bis auf ein paar Ausnahmen wird alles so gesprochen wie es geschrieben wird.

Indonesisch hat, wie anscheinend viele südostasiatische Sprachen, eine sehr einfache Grammatik. Es gibt keine Deklination, d.h. die Substantive und Adjektive verändern sich nicht mit dem Fall, der Anzahl oder dem Geschlecht. Also kein: das kleine Haus, des kleinen Hauses, die kleinen Häuser, etc. Es gibt keine Konjugation, d.h. die Verben verändern sich auch nicht. Ich gehen, du gehen, er/sie/es gehen… Die Sprache kennt keine Artikel und keine unterschiedlichen Formen für Singular und Plural. Optional kann man das Wort verdoppeln um explizit zu machen, dass es sich um die Mehrzahl handelt, z.B. Frucht heißt buah und Früchte sind buah buah. Bei Vergangenheit oder Zukunft wird auch nicht das Verb verändert, sondern durch zusätzliche Wörter wird angezeigt, um welche Zeitform es sich handelt. Außerdem gibt es keine (Possesiv)pronomen wie mein, mir oder mich.

Mal ein Beispiel:
Gestern bin ich mit dem Auto zu meiner Arbeit gefahren.
Kemarin saya jalan naik mobil ke pekerjaan saya.
Wörtlich übersetzt: Gestern ich fahren mit Auto zu Arbeit ich.

Einfach oder? Wie man sieht, fällt auch das Hilfsverb „sein“ weg. Schön wenig Grammatik, wenig Regeln wie sich bestimmte Wörter verändern und wenig extra Wörter, die man lernen muss.
Genau so reden viele Indonesier auch Englisch, weil sie ihre einfachen Sätze wörtlich übersetzen. Das hört sich dann manchmal an wie Babysprache.

Also, dann muss man nur Vokabeln lernen, oder?

Größtenteils, ja. Die Vokabeln sind zwar nicht so leicht zu merken aber eigentlich müssen wir nur ganz viel auswendig lernen.
Bisher habe ich eine Sache kennengelernt, die das Erlernen der Sprache etwas erschwert: Es gibt eine formelle und eine informelle Variante. Und die sind unterschiedlicher als im Deutschen wo sich quasi nur die Person ändert.

Ich gebe dir dein Buch zurück, was du mir geborgt hast.
Ich gebe ihnen ihr Buch zurück, was sie mir geborgt haben.

Im Indonesischen ändern sich die Wörter für ich, du, nicht und nein. Bei vielen Wörtern wird auch die erste Silbe weggelassen, damit es kürzer wird. Da das noch nicht genug anders ist, kann man auch im Umgangssprachlichen aus den Possesivpronomen ein Suffix des Substantives machen. Das sieht so aus:

Formales Indonesisch: rumah saya, rumah anda
Informales Indonesisch: rumahku, rumahmu (informal ich ist aku, du ist kamu)
mein Haus, dein Haus
Wörtlich: Haus ich, Haus du

Nun wird es den meisten Indonesiern nicht so wichtig sein, ob ich sie formal oder umgangssprachlich anspreche, solange sie überhaupt verstehen können, was ich will. Aber es erschwert das Verstehen, da wir auf beide Weisen angesprochen werden und die Vokabeln für beide Varianten verstehen müssen.

Ich trinke gerne Tee aber ich trinke nicht gerne Kaffee.
Formal: Saya suka minum teh, tetapi saya tidak suka minum kopi.
Informal: Aku suka minum teh, tapi aku nggak suka minum kopi.

Zum Glück habe ich mittlerweile die Zahlen drauf, da ich ja sehr oft mit Preisen konfrontiert werde und feilschen muss.

Insgesamt eine recht einfache Sprache, die eine ganz lustige Sprachmelodie hat und es duchaus Spaß macht sie zu lernen.
Wer mal ein Beispiel hören will, klicke hier

Billige Arbeitskräfte kontra technische Hilfsmittel

Eine Eigenschaft von Bali, die ziemlich schnell auffällt ist das Arbeitskraft hier billig sein muss. Sehr, sehr billig. Eigentlich nicht verwunderlich, da Indonesien ein Entwicklungsland ist und das indonesische BIP weniger als 1/7 des deutschen beträgt. Aber wenn man dann sieht, was das wirklich bedeutet und wie sich das im Alltag niederschlägt, da hat es mich doch überrascht. Ganz viele einfache Tätigkeiten werden hier von Menschen übernommen, für die man in Deutschland immer Technik und Maschinen einsetzen würde.

Sehr deutlich wurde der Unterschied zwischen Industrienation und Entwicklungsland auch bei unserem Aufenthalt in Sanur. Sanur ist eine Küstenstadt im Osten von Bali nicht weit entfernt von mehreren kleineren Inseln wie z.B. Nusa Penida und Nusa Lembongan. Diese Inseln werden komplett über den Seeweg versorgt; unter anderem auch von Sanur. Während ich am Strand saß, konnte ich beobachten wie das genau aussieht.
Zwischen den Inseln fahren einige, ungefähr 15m lange, Holzboote, die ich aufgrund der Bauweise und Möglichkeiten als Personenfähre einordnen würde, wo noch etwas Platz für Güter ist. Autos oder andere Fahrzeuge können nicht mit diesen Fähren transportiert werden. Diese Fähren fahren soweit wie sie können rückwärts auf den Strand. Beim Entladen werden die leeren Trinkwasserbehälter, Gasflaschen und Benzinkanister ins Wasser geworfen. Jemand zieht sie dann aus dem Wasser und stellt sie auf den Strand. Der Nächste trägt sie über den Strand bis zu einem kleinen Parkplatz. Auf den Parkplatz stehen jeweils Kleintransporter vom Wasser- und vom Gashändler, die leere Flaschen gegen volle austauschen. Die neuen Flaschen, Bierkästen, Lebensmittel, Baumaterialien und was sonst noch rüber muss werden gleichermaßen über mehrere Stationen bis zum Boot gebracht. Wenn das voll beladene Boot dann auf der Insel angekommen ist, wiederholt sich das Ganze nochmal.

In Deutschland würde man wohl als erstes einen Steg oder einen Hafen bauen, wo das Boot anlegen kann. Dann kann das Boot schon fast direkt vom Transporter beladen werden. Aber es muss noch jede Flasche, Kiste etc. einzeln angefasst werden. Die nächste Stufe wäre vielleicht ein Kran mit dem die Paletten vom Laster gleich in den Laderaum des Bootes gehoben werden. Oder eine Autofähre mit der das Be- und Entladen der Transportfahrzeuge eingespart werden könnte.

Natürlich ein Hafen ist eine große Investition, die auch gewartet werden muss. Der Strand ist einfach da. Größere Laster und Fähren kosten nicht nur viel mehr in der Anschaffung, wofür wahrscheinlich gar kein Geld da ist, sondern verbrauchen auch mehr Kraftstoff, dadurch dass der Laster mit transportiert werden muss. In Bali ist es wahrscheinlich egal, wenn das Be- und Entladen 3 Stunden dauert und die Fähre währenddessen ungenutzt am Strand dümpelt.

Da in Bali die Arbeitskraft immer günstiger als Technik zu sein scheint, entscheidet man sich immer für mehr Arbeitskräfte. In Deutschland ist das andersherum, deswegen wird immer versucht, ein Problem zuerst mit Hilfe von Maschinen zu lösen.


Zu beneiden sind die Träger auch nicht, die sind richtig am Schleppen.

Ein weiteres Beispiel dafür ist der Verkehr. Im Süden von Bali gibt es große Verkehrsprobleme. Zu Stoßzeiten gibt es lange Schlangen von Autos, während sich die Motorradfahrer links und rechts durch quetschen. Da die meisten Kreuzungen keine Ampeln haben, werden an den Problem-Kreuzungen jeweils 2-3 Verkehrspolizisten eingesetzt, die versuchen das Chaos zu dirigieren. Das ist offenbar billiger und einfacher als Ampeln einzusetzen.
Da der Verkehr so dicht ist und man besonders als Autofahrer kaum eine Lücke findet um von einem Parkplatz wieder auf die Straße zu kommen, haben die meisten Hotels und Restaurants Helfer dafür. Den ganzen Tag gibt es auf dem Parkplatz dann jemand, dessen einzige Aufgabe es ist Autofahrern beim Losfahren zu helfen, indem sie auf die Straße laufen und den Verkehr anhalten.

Bei ausländischen Familien ist anscheinend neben dem Haus mit Garten eine Putzfrau und ein Gärtner normaler Lebensstandard. Möglicherweise beschäftigen sie auch noch einen Fahrer oder eine Nanny. Die Löhne für Bedienstete im Haus sind unterschiedlich aber meist sehr gering. Recht üblich scheinen jeden Tag 1-2 Stunden putzen für 50 $ im Monat zu sein. Die Putzfrau einer Bekannten kommt jeden Tag für 4 Stunden (und kocht und kauft ein …) für 100 $ im Monat.

Bei den Preisen verwundert es dann nicht, wenn die Gärtner Wasserschlauch und Sense benutzen anstatt einen Rasensprenger und Rasenmäher. Es lohnt sich weder die Geräte zu kaufen und den Garten selber zu machen, noch die Geräte dem Gärtner zu geben, damit er effizienter wird.

In vielen kleinen Läden, die nicht größer als ein Späti sind, arbeiten 3-4 Angestellte. Am Verrücktesten mit den Verkäufern war es im Centro Kaufhaus, wo wir Bettwäsche kaufen wollten. Während wir durch die Abteilung liefen um etwas auszusuchen kam fast an jedem Regal ein anderer Verkäufer zu uns und fragte nach der Größe unseres Bettes und der gewünschten Farbe. Wir haben uns bestimmt von acht verschiedenen Verkäufern beraten lassen – das würde in Deutschland im Baumarkt nie passieren ;-).

Das führt leider auch dazu, dass viele eigentlich schlechte Lösungen ausreichend gut funktionieren. Probleme werden oft nicht ursächlich gelöst, sondern man lässt einen Menschen regelmäßig die Symptome bekämpfen.
– Jeden Tag den Boden wischen anstatt den Schimmel, der da wächst, zu beseitigen
– Einmal als bei uns in der Straße der Müll übervoll war, ist einer da durchgegangen und hat alles verbrannt was irgendwie brennbar war. Das hat einen halben Tag gedauert. Besser wäre ja gewesen eine größere Mülltonne zu organisieren oder Müll zu vermeiden.

In Deutschland wäre man schon alleine durch den Kostendruck, der durch eine so zeitintensive Lösung erzeugt wird, gezwungen nach anderen, nachhaltigeren Lösungen zu suchen.