Unser Alltag auf Bali

Das Allererste, was ich morgens mache, ist die Klimaanlage auszuschalten. Wir schlafen eigentlich immer mit Klimaanlage. Das ist ein Luxus, den wir uns gönnen, da es sich mit angenehm kalten 26 °C viel besser schläft (zusätzlich zu den zwei Klimaanlagen haben wir auch fünf Ventilatoren in dem Haus!). In den Wintermonaten (der Südhalbkugel) könnte man auch mit offenem Fenster schlafen aber das trauen wir uns nicht aus Angst vor Einbrechern. Unsere Fenster haben keine einbruchsichere Kippstellung. Sobald sie offen sind, kann man sehr leicht von außen reinkommen. Dazu kommt, dass die Einbruchsrate leider ziemlich hoch auf Bali ist. Die meisten Ausländer leben auch in großen Villas mit Pools, so dass sehr leicht zu erkennen ist, wo es etwas zu holen gibt. Während des letzten Jahres wurde bei vielen von unseren Freunden eingebrochen. Einer hatte mit sechs Einbrüchen in 10 Monaten extrem viel Pech. Manche haben auch Einbrecher bei der Rückkehr überrascht oder wurden sogar bestohlen während sie schliefen. Wir hatten bisher Glück. Aber deswegen bleiben nachts die Fenster zu. Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, haben wir einen 50 kg schweren Safe, der an der Wand befestigt ist, angeschafft. Dort schließen wir immer unsere Wertsachen und Laptops ein. Selbst wenn wir nur für eine halbe Stunde das Haus verlassen.

Ganz angenehm ist, dass man sich wenig Gedanken darum machen muss, ob es kälter oder wärmer geworden ist und ob man sich deswegen anders anziehen sollte. Ich kann jeden Tag kurze Hosen und T-Shirt tragen. Nur in Ausnahmen ziehe ich lange Hosen an, z.B. wenn ich zur Ausländerbehörde gehe oder tagsüber als Sonnenschutz und abends gegen Mücken. Socken und richtige Schuhe brauche ich nur selten. Als es im Wintermonat August kälter war, habe ich zum Rollerfahren abends einen Pulli getragen. Es ist erstaunlich wie unwichtig Wetterberichte hier sind. Außer „Es ist heiß heute“ spricht man auch nicht über das Wetter. Nur in der Regenzeit ist es wichtig immer Regenjacke und -hose dabei zu haben, da es oft überraschend regnet und innerhalb von einer Minute ist man dann klatschnass.

Die Wettervorhersage für diese Woche

Weniger schön ist dagegen, dass man unbedeckte Haut vor der Sonne und den Mücken schützen muss. Und zwar das ganze Jahr über. Auf Bali gibt es zwar kein Malaria mehr aber Dengue ist weit verbreitet. Die Zahl der Denguefälle in unserem Bekanntenkreis ist leider auch ziemlich hoch. Teilweise auch mit Behandlung im Krankenhaus. Und so reiben wir uns meistens gleich nach dem Duschen erst mit Sonnencreme und dann mit Soffel, dem Mückengift ein. An die Sonne hat sich unsere Haut etwas gewöhnt, so dass wir nicht immer oder weniger Sonnencreme brauchen. Dennoch benutze ich einmal am Tag Sonnencreme und ein bis zweimal am Tag Soffel. Gerade das Mückengift ist ziemlich lästig, da es in den Augen brennt, wenn man sie versehentlich anfasst oder in den Kratzern oder kleinen Wunden die man an den Armen und Beinen hat. Und in den Mund bekommen sollte man es auch nicht.

Die aktuelle Sammlung

Die Versorgung mit Wasser funktioniert auch ein bisschen anders hier. Wir bekommen unser Wasser von einem Brunnen mit Pumpe der hinter dem Haus steht. Das Grundwasser ist aber nicht trinkbar, deswegen muss ich vom Laden gegenüber alle paar Tage eine große 19l Wasserflasche holen. Gerade zu Beginn mussten wir immer daran denken nicht beim Duschen oder Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken.
Das mit dem Abwasser ist mir immer noch schleierhaft. Eindeutig ist nur das Wasser vom Küchenwaschbecken, das versickert einfach hinter dem Haus. Für die Toiletten scheint es entweder einen Tank zu geben, der dann ab und zu geleert werden müsste (noch nie jemand gesehen) oder es fließt in eine Grube und versickert dort langsam.

Unser Trinkwasserbehälter

Wir kochen mit Gas, was ganz praktisch ist. Einziger Nachteil ist nur, dass es natürlich keine Gasleitung zum Haus gibt. Statt dessen haben wir eine Gasflasche, die wir alle ein bis zwei Monate austauschen.
Beim Strom gibt es auch eine Besonderheit und zwar ist es ein Prepaid-System. Am Haus befindet sich ein Stromzähler, auf dem unser aktuelles Guthaben in Kilowattstunden angezeigt wird. Ungefähr einmal im Monat fahr ich dann zu einer Post oder einem Handyladen und kaufe neuen Strom :-). Ich erhalte dann einen Aufladecode, den ich am Zähler eingeben kann und zack ist das neue Guthaben da.

Viele Expats lassen diese Erledigungen von ihren Haushaltshilfen erledigen. Eine Vollzeithilfe kostet ungefähr 150$ im Monat. Die Absprachen sind sehr unterschiedlich aber meist bedeutet Vollzeit 6 mal die Woche für 3 bis 6 Stunden täglich. Zu den Aufgaben gehört dann putzen, abwaschen, kochen und einkaufen. Pool und Garten wird meistens von einem weiteren Angestellten übernommen. Wenn man Kinder hat noch eine Nanny. Gegebenenfalls auch noch ein Fahrer. Und ein Nachtwächter.
Wir haben auch eine Haushaltshilfe aber er kommt nur zweimal die Woche für jeweils anderthalb Stunden. Das ist ausreichend für uns.

Um wenigstens nachts Ruhe vor den Mücken zu haben schlafen wir immer unter einem Moskitonetz.

Wochenende in Jakarta

Kürzlich waren wir für ein Wochenende in Jakarta (die Hauptstadt von Indonesien). Ich wollte unbedingt einen Eindruck bekommen wie Jakarta im Vergleich zu anderen asiatischen Hauptstädten wie Kuala Lumpur oder Hanoi ist aber auch im Vergleich zu Denpasar, der größten Stadt Balis.
Ehrlich gesagt bin ich von Denpasar enttäuscht. Ich hatte erwartet, dass es größer ist, mehr Möglichkeiten jeder Art gibt und viel mehr los ist. Aber bis auf ein paar gute Einkaufsmöglichkeiten gibt es keinen Grund nach Denpasar zu fahren. Es scheint überhaupt kein richtiges Zentrum zu geben. Es ist mehr wie endlose Ausfallsstrassen aber man kommt nie in der Stadt an. Man muss dazu sagen, dass Denpasar auch nur rund 700.000 Einwohner zählt. Als ich damals las, dass auf Bali 4 Millionen Menschen leben, habe ich erwartet, dass die Urbanisierung viel weiter fortgeschritten ist und wesentlich mehr Menschen in der Hauptstadt leben. Aber wenn 60% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten, dann muss natürlich auch die Mehrheit auf dem Land wohnen.
In Jakarta haben wir vor allem die Annehmlichkeiten einer Großstadt genossen: Shopping Malls, Salsa tanzen und mit dem Bus fahren.

Neben den Sammelbussen gab es auch Richtige mit Haltestelle und Busspur :-).

Mit 10 Millionen Einwohner ist Jakarta größer als Bangkok (in der Region sollen sogar 30 Millionen leben!) und ich habe noch nie jemand getroffen, der etwas gutes über Jakarta gesagt hat. Leute zu fragen, wie ihnen Jakarta gefallen hat, ist schon ein Running Gag geworden.
Besonders der Verkehr und die Staus sind berüchtigt. Wenn man Pech hat, dann kann die Fahrt zum Flughafen vier Stunden dauern! Alle, die in Jakarta gelebt haben,
erzählen davon, wie sie immer Snacks und eine Kühltruhe mit kalten Getränken im Auto haben, da man immer damit rechnen muss für mehrere Stunden im Stau fest zu stecken.

Das Bild vermittelt einen Eindruck von dem Aufkommen an Verkehr und auch der Disziplin der Verkehrsteilnehmer. Die linke Spur ist übrigens die Busspur. Obwohl wir den Bus von der Haltestelle sehen konnten, hat es locker eine Viertelstunde gedauert bis er bei uns angekommen war.

Wir haben uns auch einen selfie pole gekauft. Das ist eine Art Stativ, mit dem man dann die Kamera weiter weit halten kann um sich selbst besser fotografieren zu können. Die Indonesier haben dafür den schönen Begriff tongcis. Tong steht dabei für Stab und cis für Narzisst, also ein Narzisstenstab :-).
Mit auf dem Bild sind Bekannte von uns, die uns an dem Tag durch Jakarta geführt haben.

Beide sind gläubige Muslime und die einzigen Menschen, die ich kenne, die noch nie Alkohol getrunken haben. Und sie hat uns erzählt, dass sie gerne wüsste wie Wein schmeckt! Das finde ich besonders faszinierend, da sie Teekennerin ist und Claire und sie jedes Mal besondere Teesorten austauschen.

Ein paar Bilder vom Markt in Chinatown.

Gesammelte Fotos zum Thema Einkaufen

Ich war mal bei einem kleinen Stand in der Nachbarschaft einkaufen. Das Resultat waren Eier, Öl, Reis, Nudeln und Salz.

Wechselgeld. Wenn sie keine Münzen haben, bekommt man manchmal Bonbons als Ersatz.

Eine schöne, ordentliche Auswahl an getrocknetem Fisch.

In den Kanistern sind lebendige Fische drin. Damit fährt er rum und verkauft sie z.B. an die Leute, die abends an der Straße eine kleine Garküche aufbauen.

Ein Obststand. Leider nicht bei uns in der Nähe.

Der Kokosnussmann war da. Manchmal lassen wir uns junge Kokosnüsse (voll mit Kokoswasser) liefern. Wenn man etwas indonesisch sprechen kann und die richtigen Telefonnummern kennt, kann man sich sowieso einiges nach Hause bringen lassen.

Mit dem Wechselkurs von 1 Euro zu 15600 indonesischen Rupiah und dadurch, dass der größte Schein weniger als 8 Euro wert ist, trägt man immer riesige Mengen an Geldscheinen durch die Gegend. Auf dem Foto müssten 13 Millionen Rupiah sein (keine alltägliche Menge).

So sieht das aus, wenn Claire shoppen war :-).

Recycling gibt es hier eigentlich nicht. Aber Plastikflaschen und -becher kann man sammeln und irgendwo soll man dann pro Kilogramm(!) ungefähr 12 Cent bekommen.

Das sind Einsiedlerkrebse, die zum Teil bemalte Schneckenhäuser haben. Wohl ein Mini-Haustier für Kinder.

Linktipps Indonesien (2)

Wie in Indonesien Wählerstimmen gekauft werden
Diesen Sommer sind in Indonesien Präsidentschaftswahlen. In diesem interessanten Artikel geht es darum, wie eigentlich alle Kandidaten mehr oder weniger direkt Stimmen kaufen. Unter anderem mit Geschenken wie T-Shirts, Kopftüchern, Gebetsmatten, Lebensmitteln oder auch direkt mit Umschlägen in denen Geld drin ist.
Viele Wähler haben den Eindruck, dass sie von der Politik bzw. Regierung sowieso nichts zu erwarten haben und so versuchen sie wenigstens aus ihrer Stimme Kapital zu schlagen.

Benimm dich wie ein Indonesier
Eine Kanadierin, die schon lange in Indonesien lebt, macht lustige Videos über die Eigenarten der Indonesier. Ich denke, selbst wenn man noch nicht in Indonesien war, dürfte das ganz lustig sein.
Sehr schön auch das Bild, dass die Indonesier von den Ausländern (Boule) haben: Wie man sich als Boule benimmt

Muslim organizations warn of ‘dark world’ of Valentine’s Day
Die extremen, religiösen Organisationen scheinen überall gleich zu sein. Hier geht’s um den schlimmen Brauch des Valentinstag, der – wie jeder weiß – zu ungezügeltem Betrinken, freien Sex und Drogenmissbrauch führt.

Die unendliche Geschichte von Problemen mit unserem alten Haus

Wir hatten sehr viele Probleme in unserem alten Haus. Jede Woche ist eigentlich was neues passiert. Wir haben irgendwann eine Liste mit den Problemen aufgestellt und sind auf 19 Stück gekommen. Und das waren nur die, für die der Vermieter was konnte bzw. durch die Bauweise des Hauses bedingt waren – die vielen Schädlinge oder wenn ich mal Mist gemacht habe, haben wir gar nicht mitgezählt. Dafür, dass wir nur 5 Monate dort gewohnt haben, waren das schon ganz schön viele. Manche davon wurden innerhalb von wenigen Tagen behoben, andere existierten noch bei unserem Auszug, z.B. der meterlange Riss in der Rückwand durch den die Sonne reinschien.

Außerdem wurde das Haus komplett überschwemmt, als der Abwasserkanal hinterm Haus bei einem besonders starken Regen übergelaufen ist, die Wasserpumpe ist ausgefallen, beide Klospülungen sind kaputt gegangen, eine der Toiletten war undicht, Regen kam durch das Dach und ein Fenster hinein, diverse Stellen mit Schimmel oder Ausblühungen, zu niedriger Wasserdruck, ein kaputter Wasserhahn und so weiter und so fort. Man kann sagen, dass wir Pech mit dem Haus und den Vermietern hatten.

Das ist unser Badezimmer nach 4 Wochen Winterurlaub. Zwei Wände und Teile der Decke waren voll mit Wasserflecken und Schimmel. Irgendwie wurde vergessen die Wand von außen mit wasserfester Farbe zu streichen.

Das sind die – in diesem Haus – normalen Wasserflecken und Absprengungen der Farbe im unteren Bereich der meisten Wände. Die Feuchtigkeit kommt vom Fundament in die Wände, da nicht abgedichtet wurde.

Der Schimmel auf meinem schwarzen(!) Ledergürtel nach dem Winterurlaub.

Der Gürtel war wirklich extrem. Die meisten Sachen hatten solch eine weiße Schimmelschicht. In der ersten Woche nach der Rückkehr bin ich jeden Tag mit einem großen Müllsack zur Wäscherei gefahren um so nach und nach unsere gesamte Kleidung zu reinigen.

Das ist unserer Vordach aus Bambus- oder Palmenblättern. An manchen Stellen ist das Dach aber nicht steil genug, so dass das Regenwasser nicht abläuft und es anfängt zu Schimmeln.

Auch normal. An vielen Außenwänden bilden sich grüne Moose oder vielleicht auch Schimmel.

Eine Spezialität des Hauses sind die Salzausblühungen, die aus den Fugen wachsen.

Wir haben erst immer wieder Holzspäne auf dem Boden gefunden und irgendwann beobachtet wie diese Monster-Wespen ungefähr 1 cm große Löcher in die Dachbalken gefressen haben. Dieses Problem ist auch ein gutes Beispiel wie toll das mit unseren Vermietern funktioniert hat. Wir haben sie deswegen über Monate gefragt und erinnert, da wir uns ein wenig Sorgen um das Haus gemacht haben. Auf Dauer kann das ja nicht gut sein. Und wir haben alle ihre Tipps ausprobiert, wie Insektengift in die Löcher zu sprühen oder sie mit Holzleim zu verschliessen. Wir haben ca. 15 solcher Löcher zugemacht aber es gab natürlich sofort wieder Neue. Das einzige, was wirklich geholfen hätte, nämlich die Balken mit einem Gift zu streichen, wurde nie durchgeführt, da der Handwerker nicht gekommen ist und die Vermieter es immer vergessen haben. Und wir hätten sogar für das Gift bezahlt (Das ist teurer als der Handwerker. Für unseren guten Handwerker haben wir ca. 6 Euro pro Tag bezahlt. Der vom Vermieter war wohl sehr günstig, also wahrscheinlich 4 Euro pro Tag).

An der Türklinke von der Kammer ist sogar der Lack abgeplatzt (und das Haus ist höchstens 2 Jahre alt).

Nachdem wir umgezogen sind haben wir das Haus auf eigene Kosten und mit einem selbst beauftragtem Handwerker renovieren lassen. Danach sah es wieder total top aus. Wir haben uns sogar kurz gefragt, ob Umziehen wirklich nötig gewesen ist. Aber vermutlich sieht es mittlerweile wieder genauso aus, da die Ursachen für die Probleme ja nicht behoben worden sind.

Ich hab zwar schon einige Dinge im Haus selbst gemacht aber wirklich erfahren bin ich in dem Bereich auch nicht und so habe ich die eine oder andere kleine Katastrophe erst verursacht. Irgendwann war überall der Wasserdruck sehr schlecht, da der Handwerker, als er den überlaufenden Wassertank repariert hat, es geschafft hat, dass viele kleine Plastikkrümel in den Tank und dann in die Wasserrohre kamen und so die Wasserhähne verstopft haben. Ich habe dann alle Hähne abgeschraubt und die Siebe gereinigt.
Man muss dazu wissen, dass es in dem Haus keinen Haupthahn git, den man absperren kann und als ich in der Küche den kompletten Hahn abschraubte, kam mir plötzlich überraschend viel Wasser entgegen. Im unmittelbaren Umkreis war sofort alles nass und es gelang mir nicht mehr den Wasserhahn wieder anzuschrauben.
Ich hatte dann die Idee die Sicherungen auszuschalten in der Hoffnung, dass dann die Wasserpumpe ausgehen würde aber es ging nur das Licht aus, da die Pumpe an einem anderen Stromkreis war und wir standen da im Dunkeln während das Wasser weiter aus der Wand rauschte.
Mit dem Hauptstromschalter für das Haus ging auch die Pumpe aus und mit einer Taschenlampe konnte ich den Hahn wieder anschrauben aber das war ein spaßiger Abend.

Schöpfungsmythos des balinesischen Hinduismus

Am Anfang gab es nichts, keinen Himmel und keine Erde. Nur magnetisches Eisen ganz unten am Boden von Allem. Die Weltschlange Antaboga schaffte durch Meditation die Schildkröte Bedawang. Auf derem Panzer winden sich zwei Schlangen. Dies bildet das Fundament für die Welt. Unter der Schildkröte befindet sich die dunkle Unterwelt mit dem männlichem Gott Batara Kala, der weiblichen Göttin Setesuyara und der großen Schlange Basuki. Kala schaffte das Licht und die Erde. Über der Erde befinden sich mehrere Himmel in denen sich der Gott Brahma, der Gott der Liebe Semara, der Gott der Sonne Surya, der Vogelmensch Tjak, die geflügelte Schlange Taksaka und die Seelen der Vorfahren aufhalten.

Das ist ein kleiner Teil aus dem Schöpfungsmythos des balinesischen Hinduismus. Typischerweise wird Bali als hinduistische Insel bezeichnet, was aber etwas ungenau ist, da indischer und balinesischer Hinduismus große Unterschiede aufweisen. Ein indischer Hindu wüde die Religion der Balinesen wohl nicht als seine eigene wiedererkennen und umgekehrt. Die Schildkröte hat mich ja zuerst an Terry Pratchetts Scheibenwelt denken lassen aber ich glaube, dass das in Naturreligionen nicht so ungewöhnlich ist.
Selbst in dieser kurzen Beschreibung der Schöpfung kann man die Einflüsse aus verschiedenen Religionen und Überlieferungen erkennen. Charakteristisch für die balinesische Religion scheint die Offenheit gegenüber und Integration von anderen Ideen zu sein. Die Einflüsse von anderen Kulturen und Religionen wurden in die balinesische Weltanschauung auf ganz eigene Weise integriert. Dadurch entstand über die Zeit eine ganz einzigartige und etwas exzentrische Kultur und Religion.

Kultur und Religion sind untrennbar verwoben auf Bali. Auch der Alltag der Balinesen wird bestimmt durch die Religion. Dieses gesellschaftliche Modell scheint gut funktioniert zu haben, da es schon eine lange Tradition hat. Gerade die Künste haben sich sehr weit entwickelt. Bali hat einen großen Reichtum an Tänzen, Musik, Theater und Kunsthandwerk hervorgebracht.

Es gibt in dem Schöpfungsmythos noch eine witzige Stelle. Nachdem Siwa die Insekten, Wisnu die Bäume und Isara die Früchte erschaffen haben, gibt es einen Wettstreit zwischen Brahma und Batara Kala darüber wem es gelingt Menschen zu erschaffen. Nachdem Brahma Figuren aus gebrannten Ton schuf, verkündet Kala, dass er Kot essen würde, wenn es Brahma gelänge die Figuren zum Leben zu erwecken. Brahma schafft es und daraufhin schuf Kala die Hunde, die auf Ewigkeit winseln, bellen und Kot essen sollen.

Dazu sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass die Balinesen sehr tierlieb sind. Es gibt sehr viele streunende Hunde, die alle gut genährt und lieb sind. Und wenn der Hund von unserem Nachbarn in unseren Garten kommt, dann tut er genau das, wozu Kala ihn bestimmt hat.

Wochenendausflug nach Nusa Lembongan

Vergangenes Wochenende haben wir einen Kurztrip zu einer zu Bali gehörenden, kleinen Insel, Nusa Lembongan, unternommen. Wir sind am Freitag direkt nach der Schule mit ein paar Kollegen von Claire aufgebrochen. Im Minibus bis nach Sanur und von dort mit dem Fastboat übergesetzt. Das Fastboat hat seinen Namen auch wirklich verdient, denn man brettert mit 60 km pro Stunde über’s Wasser, fliegt quasi von Welle zu Welle. Es ist erstaunlich, dass das Boot von dem harten Aufschlagen auf’s Wasser nicht auseinanderbricht.

Tagsüber haben wir die Insel erkundet und Orte mit tollen Namen wie Blue Lagoon, Dream Beach, Secret Beach oder Sandy Bay besucht.
Das ist Secret Beach, wo es ein Resort gab, was komplett leer war und wir so den Strand ganz für uns alleine hatten.

Durch die Nähe zu Bali bekommt Lembongan recht viele Touristen ab, besonders Taucher, da es schöne Riffe gibt und hat deshalb viele und auch sehr gute Unterkünfte. Unser Hotel war wirklich guter Standard.

Ein Großteil der Einheimischen lebt aber immer noch vom Anbau von Seegras. Das reicht wahrscheinlich gerade so für den Lebensunterhalt und dementsprechend schlimm sehen auch die Hütten aus, in denen sie leben.

Ganz interessant auf Lembongan war, dass die Hotels und die Hütten direkt nebeneinander stehen. Das war ein starker Kontrast. Ich vermute, dass auch große Teile von Indonesien ähnlich ärmlich aussehen.

Rätselhaft ist mir immer noch das Verhältnis der Indonesier zum Müll. Es ist überall total vermüllt. Ihr Haus und ihren Hauseingang halten sie sauber aber alles andere ist egal. Oder nicht ihre Verantwortlichkeit? Oder es ist gar kein Problem für sie? Vielleicht unterscheiden sie auch gar nicht zwischen natürlichen und nicht-natürlichen Abfällen, wie Plastik oder Metall, die nicht verrotten. Oder sie haben andere Probleme als Ordnung und Sauberkeit.

Dream Beach.

Nochmal Secret Beach.

Sandy Bay.

Mangrovenwälder gab es auch.

Der Strand von Mangrove Point.

Auf Nusa Lembongan gab es die schlimmsten und kaputtesten Straßen, die ich in Indonesien bisher gesehen habe. Es gab soviele Schlaglöcher und der Asphalt fehlte teilweise komplett, so dass man über die ziemlich großen Steinbrocken fahren musste. Das war ganz schön abenteuerlich. Dazu kam noch, dass der Roller, den wir gemietet hatten eine alte Klapperkiste war.

Die Brücke war aber ganz lustig.

Claire wollte natürlich an allen Tempeln anhalten ;-).

Seegras-Setzlinge werden an Seile gebunden und dann in flachem Wasser zum Wachsen ausgelegt.

Seegrasbauern auf dem Weg zu ihren Feldern. Da das Wasser flach ist, verwenden die Bauern keine Ruder oder Segel, sondern Bambusstangen zur Fortbewegung.

Zum Trocknen ausgelegtes Seegras. Das hier angebaute Seegras wird wohl in erster Linie für Kosmetikprodukte verwendet.

Bei Flut liegen die Boote alle unbenutzt im Wasser.

Ein bisschen Farbe habe ich bekommen :-).

Ganz idyllisch. Eine Hütte inmitten der Palmen.

Jetzt kommen noch ein paar Bilder von den tollen Klippen bei Sandy Bay.

Nach dem anstrengenden Ausflug zu den Klippen musste ich mich erstmal etwas entspannen.

Ein paar Fotos (2)

Feierabendspaziergang am Strand.

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen auf Reisen ist, Leute zu finden, die ungewöhnliche Jobs ausüben. Dieses Bild habe ich im Imbissbereich eines Einkaufzentrums aufgenommen. Die Tätigkeit des Mannes mit dem gelb-blauen Hemd ist es, Kinder, die auf diesen Kuscheltieren sitzen, die fürchterlich laute Musik von sich geben, ein paar Runden durch die Gegend zu schieben.


Die älteste Vespa, die ich je gesehen habe. Mit zwei Ersatzreifen.


Eines der Lieblingshobbies der Balinesen ist es Drachen steigen zu lassen. Die Drachen sind oft sehr groß und kunstvoll, die man auch gar nicht mehr alleine bedienen kann. Die meisten fliegen weit oben über mehrere Stunden am Himmel und machen dabei Knattergeräusche. Angeblich wid über das Drachensteigen auch um das Ansehen der verschiedenen Nachbarschaften und Gemeinden gekämpft. Dafür geht aber niemand auf ein Feld oder eine andere freie Fläche. Nein, man lässt den Drachen direkt vor seinem Haus, auf der Straße oder wo man sonst gerade Lust hat steigen. Das führt dann regelmässig dazu, dass man einen abgestürzten Drachen auf dem Dach oder im Garten hat. Hier ist mal ein besonders Großer neben dem Pool runtergekommen.


Die Tierwelt, die man in unserem Haus und Garten beobachten kann ist ziemlich bemerkenswert. Insbesondere die Insekten sind viel größer als in Deutschland. Das ist eine Gottesanbeterin in unserem Garten, die ungefähr 8 cm groß ist.


Wenn man sich die Stromleitungen hier ansieht, ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass es regelmässig Stromausfälle gibt. Mir wird immer ganz anders, wenn ich jemand sehe, der sich an den Stromleitungen zu schaffen macht. Es ist hier auch kein Anlass zur Sorge, wenn die Leitungen knistern und summen. Einfach weitergehen und nicht hinhören.


Das ist der Weg, der von der Straße zu unserem Haus führt. Links, wo die Fenster sind, da sind drei Einzimmerwohnungen. Ich vermute, dass die Bewohner eine Toilette und eine kleine Ecke zum Kochen haben aber ich hab sie auch schon öfter vor ihrem Haus beim sich Waschen oder Geschirr abspülen gesehen. Ein paar arbeiten anscheinend in dem Eisenwarenladen nebenan (rechts) und eine Familie betreibt einen kleinen Straßenstand, wo wir auch schon ein paarmal Nasi Goreng, also gebratenen Reis, gegessen haben.


Das mit der Müllverbrennung die überall und jederzeit passiert ist wirklich etwas nervig. Da sie immer Sachen verbrennen die man nicht verbrennen sollte oder die nicht trocken sind qualmt es auch immer ganz fürchterlich. Fast jeden Tag muss man durch Rauchschwaden durchlaufen oder -fahren und wenn man mal richtig Pech hat, zieht es ins Haus oder ins Hotel.


Nochmal Strand. Mit komischen Pflanzen im Vordergrund.

Linktipps Indonesien (1)

Und noch eine neue Kategorie. Da auch viele Andere interessante Berichte über Indonesien und Bali schreiben, dachte ich mir, dass ich die, die mir am Besten gefallen, von Zeit zu Zeit hier verlinke.

Indonesien: Angekettet und hinter Gittern
Eine erschütternde Dokumentation über geistig Kranke auf Bali. Richtige medizinische Versorgung ist sehr teuer für die meisten (Krankenversicherung gibt nicht), die spirituellen Heiler sind wohl nicht in der Lage psychische Krankheiten zu heilen und wenn das Geld endgültig alle ist, dann bleibt der Kranke besessen von den bösen Geistern. Zum Schutz werden die Kranken dann oft von ihrer eigenen Familie wie ein wildes Tier eingesperrt.
Der hilflose Umgang mit psychischen Krankheiten erinnert mich an die Exorzismen, die vor gar nicht allzu langer Zeit bei uns üblich waren.

A group of Jakarta punks challenges the criminal stigma attached to tattoos
So ähnlich wie in der Geschichte der javanesischen Punks, die ein neues Haus in der Großstadt Depok beziehen und sich mit vielen Vorurteilen aufgrund ihrer Tattoos konfrontiert sehen, muss es wohl in Deutschland in den 70er/80er Jahren gewesen sein, als Tattoos mit Verbrechern und Gefängnis assoziiert wurden.

Ride Sri, Ride…
Ein Studentin, die nach einem Motorradunfall nicht mehr laufen konnte, war seit dem Unfall im Rollstuhl zuhause und komplett angewiesen auf ihre Eltern. Nach 10 Jahren hatte sie genug und ein Motorrad so umbauen lassen, dass sie es mit Rollstuhl fahren kann. Seitdem versucht sie auf die Situation von Behinderten in Indonesien aufmerksam zu machen und deren Lage zu verbessern.
Abgesehen von dem fehlenden Wissen, dem Mangel an technischen (Geh- oder Fortbewegungs)-Hilfen und Unterstützungsprogrammen gibt es noch ein soziales Problem. In der indonesischen Kultur bzw. der Religion spielt Karma oder Schuld eine wichtige Rolle, so dass Krankheiten als Bestrafung für schlechte Taten in vergangenen Leben interpretiert werden. Diese fatale Ansicht, die auch in vielen esoterischen Lehren verbreitet ist, führt dazu, dass man nicht versucht Behinderten zu helfen oder ihre Situation zu verbessern, sondern die Strafe und der Zustand wird einfach akzeptiert. Außerdem sind die Familien um ihr Ansehen in der Gemeinde besorgt und um nicht mit der Schande leben zu müssen ein behindertes Kind zu haben, wird es versteckt und isoliert.

Ein Bild von Sri.

Orang pendek
Ein Bericht über den Yeti Indonesiens. Ein Wesen zwischen Mensch und Affe, dass viele Leute beobachtet haben wollen und von dem es viele Fußspuren aber noch kein einziges Foto oder ein Skelett gibt.

Ein paar Fotos (1)

Da ich mit den nächsten Texten noch etwas brauche, gibt es Zwischendurch einfach ein paar Bilder, die sich mit der Zeit angesammelt haben.


Das muss der erste Tag nach unserer Ankunft gewesen sein und wir sind das erste Mal am Strand.


Im Süden Balis wird eigentlich überall Reis angebaut. Aber die Gegend ist sehr begehrt. Die Bauern können viel Geld damit verdienen, wenn sie ihr Land verkaufen und so wird ein Reisfeld nach dem anderen zugebaut. Wer heute noch von seinem Fenster auf die Reisfelder blickt, der kann schon morgen eine Hauswand vor dem Fenster haben. Baugenehmigungen braucht man entweder gar nicht oder niemand holt sie ein.


Canggu Beach steht hoch im Kurs bei den Surfern (auch wenn hier mal keine zu sehen sind).


Kurz vor 18 Uhr wird am Strand schon eingepackt, da gleich die Sonne untergeht.


Ein paar Muscheln und Schnecken vom Strand. Als ich anfing danach zu suchen, hab ich zwar erwartet Exotische zu finden aber nicht, dass Größere darunter sein werden.


Und so war ich etwas überrascht diese ganzen großen Muscheln und Schnecken an einem sehr belebten Strand zu finden.


Der Strand von Kuta (etwas weiter südlich) hat schöneren Sand als der in Canggu, dafür ist er aber auch vollkommen überlaufen mit Touristen und Verkäufern. Bali ist gewissermassen das Mallorca für Australier und Kuta der Ballermann.


Abends, nachdem die Sonne untergegangen ist und die Temperatur etwas angenehmer geworden ist, werden die Balinesen nochmal aktiv. Die (Super)Märkte sind voll und überall wird gegrillt, gekocht und gegessen. Mir ist noch etwas unklar wie wohl der Schlaf-Wach-Rhythmus der meisten Einheimischen aussieht. Es scheint, als würden sie total früh aufstehen und sehr lange wachbleiben.