Dangdut-Musik aus Indonesien

Dangdut ist der populärste Musikstil in Indonesien. Sehr beliebt ist natürlich auch westliche Pop-Musik oder Musik, die genauso klingt aber bei der auf Indonesisch gesungen wird. Dangdut jedoch ist die einzige moderne Musik, die ich kenne, mit einem indonesischen Einschlag. Ich höre es ganz gerne, da es rhytmisch ist und mir der Klang der Tabla-Trommeln und die Melodien gefallen.

Interessant an der Dangdut-Musik ist aber, dass man daran sehr schön sehen kann wie unterschiedlich und voller (scheinbarer) Widersprüche dieses Land ist. Konservative kritisieren, dass manche Sängerinnen zu freizügig gekleidet sind und zu erotisch tanzen (die Folge: Verfall der Werte, sexuelle Übergriffe, Untergang des Landes – ganz klar). Bei Arte gibt es eine kurze Dokumentation zu dieser Diskussion.

In der Dokumentation ist eigentlich überraschend, dass die Sängerin Inul Daratista soviel öffentlichen Druck erfährt und sich für ihre Auftritte entschuldigen muss, obwohl sie verglichen mit anderen Sängerinnen in Indonesien eher harmlos ist. In Deutschland würde sich wahrscheinlich niemand über sie beschweren.

Es gibt aber auch Live-Auftritte, die ich etwas befremdlich finde, da sie mehr an Strip-Shows erinnern als an Musikkonzerte (besonders, wenn Männer auf die Bühne kommen und Geldscheine gegen Extra-Aufmerksamkeit tauschen so wie hier).

Es mag erstmal verwundern, wie diese Art zu tanzen zu einem muslimischen Land passt. Aber die meisten Indonesier, die wir kennen gelernt haben, waren sehr liberal und offen. Ich würde auch behaupten, dass das auf die Mehrheit der Bevölkerung zutrifft. Ganz grob trägt nur die Hälfte der Frauen überhaupt ein Kopftuch. Auf der einen Seite kennen wir muslimische Frauen, die rauchen, Alkohol trinken und Schweinefleisch essen und andererseits auch welche, die fünfmal am Tag beten und in ihrem ganzen Leben noch keinen Tropfen Alkohol getrunken haben. Und dann gibt es auch noch die Fanatiker in Aceh, die die Scharia eingeführt haben.

Noch ein Anlass für Kritik sind die Texte im Dangdut zu sein (die ich zum Glück nicht verstehe), wie Sacha Stevenson sehr schön verdeutlicht. Cita Citata, von der das Orginal stammt, ist extrem populär in Indonesien. In dem Lied Parawan atau Janda übersetzt „Jungfrau oder Witwe“ fragt sie „Welche willst du? Die Jungfrau oder die Witwe?“ und besingt vier Minuten lang die Vor- und Nachteile dieser „Arten“ von Frauen. Die Weltanschauung dahinter kann man wohl bestensfalls als altmodisch bezeichnen.

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